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Gesellschaft

„Jeder Feldspieler sollte sich mal ins Tor stellen“

Verkehrsrichter André Muhmood wirbt um Verständnis auf Berlins Straßen. Er weiß, wie schnell kleine Fehler oder Kavaliersdelikte zur Katastrophe führen können

BERLINER ZEITUNG / GERD ENGELSMANN
von
Katrin Bischoff
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Gesellschaft

Autofahrer gegen Autofahrer, Autofahrer gegen Radfahrer, Radfahrer gegen Fußgänger, Alle gegen Alle. Der Verkehr in der Großstadt Berlin wird immer aggressiver. So scheint es. Das stimmt nicht, sagt André Muhmood, der seit 23 Jahren als Richter Verkehrssünder bestraft. Allerdings hätten sich bestimmte Intensitäten herausgebildet, die es so vorher nicht gab.

Herr Muhmood, sind Sie heute mit dem Auto zur Arbeit gekommen?

Ich habe zwar seit ich 19 bin einen Führerschein, noch so einen alten grauen Lappen, aber kein Auto.

Warum nicht?

Ich fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da bereite ich mich auf meine Sitzungen vor, um alles noch einmal ins Kurzzeitgedächtnis zu laden. Das kann ich am Steuer nicht. Und hier einen Parkplatz zu finden, ist auch keine Freude. Ebenso wenig wie der Berliner Berufsverkehr.

Wie viele Verfahren haben Sie?

Es sind drei- bis vierhundert Strafverfahren im Jahr pro Abteilung. Und es gibt 30 bis 40 Verkehrsabteilungen. Nicht jedes Verfahren wird in einer Verhandlung entschieden. Manche enden mit einem Strafbefehl oder der Einstellung. Hinzu kommen pro Abteilung mehr als 1 000 Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Das hört sich sehr viel an.

Wir haben hier ordentlich zu tun. Das Klischee eines tennisspielenden Richters, der sich nur gelegentlich im Gericht aufhält, ist längst nicht mehr zeitgemäß. Das habe…

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24.10.2017