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Geschichte

Je mehr man weiß, desto rätselhafter wird die Felsbildkunst

Seit 1880 die Höhlenbilder von Altamira entdeckt wurden, wird heftig über die Malkünste des frühen Homo sapiens gestritten. Vor allem hat man inzwischen überall auf der Welt ähnliche Zeugnisse gefunden

Everett - Art / shutterstock.com
von
Arno Widmann
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Geschichte

Im Martin-Gropius-Bau in Berlin ist noch bis zum 16. Mai die großartige Ausstellung "Kunst der Vorzeit - Felsbilder aus der Sammlung Frobenius" zu sehen. Wie ihr Titel sagt, geht es um die Bilder der Künstler und Künstlerinnen, die Frobenius zwischen 1928 und 1936 auf seinen Reisen von Algerien über Australien, Frankreich, Indonesien, Italien bis Simbabwe, Spanien und Südafrika begleiteten. Wir nehmen die wohl bis zu 20 000 Jahre alten Felsbilder wahr durch die Kopien, die die zehn Malerinnen und acht Maler von ihnen gemacht haben. Im Katalog erfahren wir viel über diese Künstler. Bärbel Küster, eine Kunsthistorikerin, die zurzeit in Berlin lehrt und sich viel mit den Anleihen der europäischen bei der außereuropäischen Kunst beschäftigt, zeigt nicht nur sehr gut, wie wichtig die Reproduktion von Kunstwerken für diese selbst ist, welche Rolle sie seit den Readymades und den Multiples für die moderne Kunst spielt. Sie beschreibt auch akribisch, wie Frobenius' Maler die alten Bilder kopierten.

Sie wurden Stück für Stück mit Wasser bespritzt, um die Farben besser hervortreten zu lassen. "Die Kopien aus dem Frobenius-Institut sind also in vielen Fällen eine Art kubistisches Kunstwerk, zusammengesetzt aus einzelnen 'Nass'-Bildern, die nur für einen kurzen Moment in Partien aufschienen, um sofort wieder in ihren 'Schlaf' der blassen Farben zurückzufallen. Die Kopisten montierten diese verschiedenen, zeitversetzten Eindrücke zu einem geschlossenen Bild." Der…

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30.04.2016