Lesezeit 17 Min
Kultur

Ich denke sängerisch

Die Regisseurin Lydia Steier weiß, wie Opernsänger behandelt werden wollen: Sie hat nämlich selbst auf der Bühne gestanden. Ein Gespräch über Talent, Respekt und schwache Nerven

BERLINER ZEITUNG / GERD ENGELSMANN
von
Arno Widmann
Lesezeit 17 Min
Kultur

Lydia Steier, geboren 1978 in Connecticut in den USA, ist Opernregisseurin. Mit ihrer viel gelobten Potsdamer Inszenierung von Händels Alterswerk "Jephta" feierte sie in diesem Frühjahr auch bei den Wiener Festwochen Triumphe. In Berlins Komischer Oper kann man nun wieder ihre Inszenierung von Händels "Giulio Cesare in Egitto" sehen. Über diese und vieles andere sprachen wir mit Lydia Steier in ihrer Wohnung am Görlitzer Park in Berlin.

Wie geht es Ihrem Hund?

Sie haben gehört davon! Es geht ihm gut. Aber zwei Tage war ihm – hundeelend. So sagt man auf Deutsch. Er hatte im Görlitzer Park irgendwelche Drogenpäckchen aufgefressen. Ich habe echt Glück, dass er noch lebt. Einige Tage lang war er ziemlich stoned. Er konnte nicht richtig gehen, lag da auf dem Sofa, wo er jetzt auch liegt, rollte ein wenig die Augen und schlief. Er muss wilde Träume gehabt haben in seinem Schlaf. Tja. So viel zum begehrtesten Berliner Kiez.

Gestern waren Sie in Dresden. Was haben Sie da gemacht?

Ich war bei Wolfgang Rothe, dem kaufmännischen Geschäftsführer und kommissarischen Intendanten der Semperoper. Wir hatten ein interessantes Gespräch. Das gehört zu meinem Beruf dazu. Sie lernen Menschen kennen, sprechen mit ihnen über dies und das, und manchmal wird eine Zusammenarbeit daraus und manchmal nicht.

Man kann doch sehen, was Sie machen. Ihre Inszenierungen finden ja – anders als die Arbeit der meisten Topmanager – in aller Öffentlichkeit statt. Worüber redet man da noch?

Es geht ja nicht nur darum, was das Publikum am Ende zu sehen bekommt. Es geht auch darum, wie es zustande kommt. Es gibt sehr, sehr gute Kollegen, die gelten als schwierig. Mancher Intendant fragt sich, ob er seinem Ensemble so viel Nervenkitzel zumuten möchte. Ganz abgesehen davon aber hängt bei unserer Arbeit sehr viel davon ab, wie die Chemie zwischen dem Dirigenten, den Sängern und dem Regisseur sein wird. Möglichst interessante, produktive Mischungen zusammenzustellen – das ist die Aufgabe eines Intendanten. Darum ist es lediglich mit dem Anschauen der Ergebnisse nicht getan. Wir müssen einander auch beschnüffeln. Ein Intendant, der einen Regisseur engagiert, übergibt ihm für diese Inszenierung die ganze…

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19.09.2015