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Kultur

Ich brauche das Licht

Der Schauspieler Daniel Brühl über nervende Journalisten, seine spanische Mutter, wahre Körpergröße und die Kunst, bei sich selbst zu bleiben

von Siebbi (Daniel Brühl) [CC BY-SA 3.0],

Es ist 10 Uhr morgens, und Daniel Brühl braucht einen Cappuccino. Seinen zweiten heute Morgen, dabei wirkt er sehr wach. Sitzt auf der Sofakante in einem Charlottenburger Hotel, beantwortet Fragen zu seinen Filmen und seinem Leben, ein unkomplizierter Gesprächspartner, der sich schön aufregen kann und später, beim Autorisieren, kein einziges Wort zurücknehmen wird. Das ist ungewöhnlich für einen deutschen Schauspieler, aber Daniel Brühl, in Barcelona geboren und in Köln aufgewachsen, ist ja auch nur halber Deutscher. Er hat eine Wohnung in Prenzlauer Berg und eine in Barcelona und spielt seit seinem Erfolg mit "Good Bye, Lenin!" in mehr internationalen als deutschen Produktionen. Nach zwölf Jahren aber ist Brühl nun wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und unter der Regie des "Good Bye, Lenin!"-Regisseurs Wolfgang Becker in dem Film "Ich und Kaminski" zu sehen.

Nach Ihrem Erfolg mit "Good Bye, Lenin" hat Wolfgang Becker nun wieder einen Spielfilm gedreht ...

... ja, er ist nicht der Schnellste.

... und wieder mit Ihnen in der Hauptrolle. Wie war das nach all den Jahren?

Lustig und auch ein bisschen bizarr. Bei "Good Bye, Lenin!" war ich ja echt noch ein Küken, und auch wenn es nicht mein erster Film war, war alles noch relativ neu. Damals ist viel passiert in meinem Leben. Ich bin wegen "Good Bye, Lenin!" nach Berlin gezogen, weil ich mich so in die Stadt verliebt habe. Und Wolfgang und ich sind Freunde geworden. Durch den Altersunterschied hat das etwas von einer Vater-Sohn-Beziehung.

Wie ist das, mit einem Freund zu drehen?

Man steht am Drehort und denkt, wie komisch, wir kennen uns jetzt so gut, was den Vorteil hat, dass man sich leicht verständigen kann. Aber man kennt natürlich auch die Macken des anderen, und wir beide wissen genau, welchen Akkord man spielen muss, um den anderen auf die Palme zu bringen.

Welchen denn?

Ich habe definitiv ein Problem damit, dass ich viel zu schnell an die…

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12.09.2015