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Kultur

Ich bin da, wenn es den Leuten schlecht geht

Auf einem Elitegymnasium in Zehlendorf lernte er Latein und Altgriechisch – dann wurde er Rapper. Prinz Pi ist ein intellektueller Außenseiter in der Szene. Was macht ihn trotzdem so erfolgreich?

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Stefan Strauß
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Berlin-Kreuzberg, Köpenicker Straße. Der Lastenaufzug fährt hinauf ins Studio von Prinz Pi, der mit richtigem Namen Friedrich Kautz heißt. "Friedrich", sagt er freundlich zur Begrüßung. Fester Händedruck. Friedrich Kautz bietet frischen Espresso an, aus einer großen Edelstahl-Maschine, wie man sie sonst nur in Cafés sieht. Die mobile Anlage gehört zur Tourausstattung der Band. Sein Studio hat Prinz Pi geschmackvoll eingerichtet. Kein Schnickschnack, dezente Farben. Technik und Möbel, vieles hat er selbst gebaut.

Sie sind in einem gutbürgerlichen Viertel von Zehlendorf aufgewachsen und haben in Steglitz ein Elitegymnasium besucht mit Pflichtfächern wie Altgriechisch und Latein. Sind das nicht äußerst schlechte Startbedingungen in der Biografie eines Rappers?

Das ist auf alle Fälle nicht die Qualifikation, die man normalerweise haben sollte als Rapper. Da ist es besser, aus dem Ghetto zu kommen mit einer Vergangenheit als Kleinkrimineller, Drogendealer oder als Schlägertyp. Das habe ich alles leider nicht vorzuweisen. Ich bin ein Quereinsteiger.

Auf Ihre Schule gingen prominente Persönlichkeiten wie Walter Gropius und Günther Jauch sowie bekannte Politiker, Professoren, Schriftsteller und Künstler. Mittlerweile taucht auch Ihr Name in der Liste der berühmten ehemaligen Schüler auf. Ehrt Sie das?

Puh, das weiß ich nicht. Damals auf der Schule hatte ich große Probleme. Mit meinem Lehrer für Erdkunde hatte ich eine Art Privatfehde. Der mochte mich nicht, war latent rechts und wollte mich von der Schule schmeißen. Wenn mein Nachbar gerülpst hat, bekam ich den Tadel. Der Lehrer wurde dann selbst von der Schule geworfen, weil er seine rechten Parteigenossen durch eine Wehrmachtsausstellung geführt hatte. Meine Eltern wollten mir damals nicht glauben, dass mich dieser Lehrer auf dem Kieker hatte.

Haben Sie sich nicht gewehrt?

Ich hab dem Lehrer mal mit einem Edding ein Hakenkreuz auf die Glatze gemalt.…

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04.11.2017