Lesezeit 8 Min
Kultur

Ich akzeptiere keine Redeverbote

Der Kulturmanager Martin Roth über die Kunst in Aserbaidschan und schwierige politische Partner

BERLINER ZEITUNG / MARKUS WÄCHTER
von
Ingeborg Ruthe
und
Harry Nutt
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Kultur

Im Garten des Zehlendorfer Hauses ist endlich Frühling. Nur hat Martin Roth keine Zeit für Natur-Beschaulichkeit und eigentlich auch nicht für ein längeres Gespräch. Gerade kommt er aus Vancouver, mit Frau, Tochter und Hund. Der Labrador hat Jetlag, der große Rest der Familie muss munter sein, denn es heißt: Koffer umpacken. Es geht am nächsten Tag gleich weiter nach Venedig, zur 57. Kunstbiennale, die Familie kommt mit. Dort kuratiert Roth, der welterfahrene Museumsmann, Kulturmanager und Kunst-Netzwerker den Pavillon Aserbaidschans. Das ist umstritten, die Medien haben Fragen. Ständig klingelt sein Handy. Er stellt es aus. So ist er - immer konsequent in seinen Entscheidungen. Wir können reden.

Herr Roth, die Nachricht, dass Sie den Biennale-Pavillon von Aserbaidschan kuratieren, hat vielerorts Irritationen ausgelöst. Hat Sie das Ihrerseits überrascht?

Offen gestanden habe ich im Vorfeld nicht lange darüber nachgedacht. Natürlich war ich mir dessen bewusst, dass Fragen kommen, wenn ich mit einem autokratisch regiertem Land wie Aserbaidschan zusammenarbeite. Ich war also auf Widerspruch vorbereitet, aber ich habe mir keine Strategie einer öffentlichen Rechtfertigung zurechtgelegt. Mir ging es vor allem um die Zusammenarbeit mit Leuten, die ich zum Teil schon sehr lange kenne.

Wie kam es dazu?

Ich habe bereits in meiner Zeit im Dresdener Hygiene-Museum Anfang der 90er-Jahre den Wunsch verspürt, die…

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10.05.2017