Lesezeit 8 Min
Politik

High Noon am Gallatin River

Ein singender Cowboy gegen einen schwerreichen Trump-Fan: Die Nachwahl in Montana wird zum Stimmungstest für den Präsidenten

vloveland / pixabay.com
von
Karl Doemens
Lesezeit 8 Min
Politik

BOZEMAN. Zuerst erspäht man in der Menschenmenge einen weißen Cowboyhut. Dann einen Schnurrbart in einem freundlich zerknitterten Gesicht. Händeschüttelnd bahnt sich Rob Quist den Weg zum Mikrofon. Das also ist der Mann, der angeblich auf Nacktpartys abstürzt, seine Steuern nicht zahlt, den Rinderfarmern ihre Waffen abnehmen und den Sozialismus nach Montana bringen will. Dabei sieht er aus wie der vertrauenerweckende Mann aus der Marlboro-Werbung.

Es gibt wenig, was die Republikaner in den endlosen Weiten des viertgrößten US-Bundesstaates dem demokratischen Kongresskandidaten nicht nachsagen. "Neuerdings behaupten sie, ich stiege mit Nancy Pelosi ins Bett", erzählt der 69-Jährige. Pelosi ist die Fraktionschefin der Demokraten im sieben Flugstunden entfernten Bürokratensumpf von Washington - und Hassfigur aller Konservativen. "Also, ich kann mich daran nicht erinnern", fügt Quist hinzu.

Der Scherz ist nicht politisch korrekt, aber das Publikum lacht und klatscht trotzdem. Im Taproom, einer Bierkneipe in Bozeman, einer entspannten Kleinstadt am Fuße der schneebedeckten Galatin-Berge, ist man an diesem Abend unter sich: Die Männer tragen Bärte oder Pferdeschwänze, die Frauen lange Baumwollröcke. An den Wänden des Lokals hängen Snowboards und Skier. Hier, im alternativ angehauchten Outdoor-Paradies, erwartet niemand gedrechselte Vorträge. Und Quist ist kein typischer Politiker - genau deshalb mag man den Außenseiter-Kandidaten, der im…

Jetzt weiterlesen für 0,45 €
20.05.2017