Lesezeit 9 Min
Kultur

„Hier wird nicht rumgeheuchelt“

Der Übersetzer Frank Heibert über die berühmte Berliner Schnauze und seine Liebe zu dieser Stadt

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Karin Stemmler
Lesezeit 9 Min
Kultur

Nur eine halbe Stunde hat es mit S- und U-Bahn gedauert. Und doch: Wer vom lauten Alex nach Friedenau kommt und dort in die Niedstraße einbiegt, bewegt sich in einer anderen Welt. Gepflegte Bürgerhäuser, schmale Trottoirs, blühende Vorgärten, ab und an eine Gedenktafel an der Fassade: In diesem Haus lebten und arbeiteten Karl Schmidt-Rottluff, Uwe Johnson oder Günther Weisenborn …

Frank Heibert, einer der profiliertesten Literaturübersetzer Deutschlands, Autor, Dichter und Jazzsänger im Nebenberuf, wohnt hier seit 2007. Er und sein Partner sind glücklich, nach langer Suche ausgerechnet in dieser Literatenmeile eine Wohnung gefunden zu haben: "Schräg gegenüber besaß Günter Grass lange Jahre ein Haus und am anderen Ende in der Nr. 5 hat Erich Kästner seine Sekretärin gevögelt. Mehr Atmosphäre geht kaum." Heibert lacht und gießt Kaffee ein in der sonnigen Wohnküche.

Die zwei jungen Leute, die ich eben im Vorbeigehen im Wohnzimmer begrüßt habe, sind das Autoren von Ihnen?

Nein, Debütanten übersetze ich nicht mehr - (lacht wieder herzlich). Die Jugendsprache überlasse ich anderen. Der junge Mann ist ein Flüchtling aus dem Nordirak, den wir im vergangenen Jahr für vier Wochen bei uns aufgenommen hatten. Er war wegen seiner Homosexualität in der Notunterkunft gemobbt worden. Als wir von solchen Problemen hörten, haben wir bei der Berliner Schwulenberatung gefragt, wie wir helfen können. Und so ist er bei uns ins…

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03.05.2016