Lesezeit 8 Min
Gesellschaft

„Helfen hat eine Sogwirkung“

Holger Michel hat als Helfer die letzten anderthalb Jahre mit Flüchtlingen im Rathaus Wilmersdorf verbracht. Jetzt erscheint sein Buch

BERLINER ZEITUNG / MIKE FRÖHLING
von
Julia Haak
Lesezeit 8 Min
Gesellschaft

Holger Michel arbeitet in einer Werbeagentur. Mit Flüchtlingen hat das nichts zu tun. Im September 2015, als immer mehr Menschen auf der Flucht in Berlin landeten, sich vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit lange Schlangen bildeten und überall Notquartiere aufmachten, entschloss er sich jedoch, zu helfen. Für zwei Stunden nur. Das war der Plan. Daraus wurden eineinhalb Jahre. Über seine Zeit mit über tausend Geflüchteten im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf hat er jetzt ein Buch geschrieben.

Herr Michel, was war Ihr erster Eindruck, als Sie in diese Notunterkunft kamen?

Der erste Eindruck war Chaos. Es war ja auch ein Chaos, aber ein mitreißendes Chaos. Man hatte das Gefühl, überall passiert was. Es war viel offener, positiver, optimistischer als ich erwartet hatte.

Was hatten Sie denn erwartet?

Alle Bilder, die ich kannte, waren die von den griechischen Küsten und vom Lageso. Dieses Stehen im Schlamm, diese Menschenmassen, Orte, an denen es kein Lachen gibt. Und im Rathaus war überall Lachen, bei den Helfern und auch bei den Bewohnern. Und gleichzeitig sah man, überall wird jemand gebraucht. Das ist, glaube ich, auch der Grund, warum so viele Helfer so lange dabei geblieben sind. Jeder konnte eine Aufgabe finden.

Was haben Sie alles gemacht?

Angefangen habe ich mit dem Sortieren von Klamotten. Das ist immer der Einstieg. Das kann jeder.…

Jetzt weiterlesen für 0,45 €
04.04.2017