Lesezeit 9 Min
Kultur

Heimat und Gefühl

Fatma Aydemir hat ein Buch über eine junge Berlinerin mit türkischen Eltern geschrieben. Die Autorin kennt sich aus mit der Wut, die die Heldin ihres Romans täglich fühlt

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK
von
Susanne Lenz
Lesezeit 9 Min
Kultur

BERLIN. An diesem Abend sitzt Fatma Aydemir in der Georg Büchner Buchhandlung in Prenzlauer Berg. Sie hat an einem kleinen Tisch Platz genommen. Es ist voll, immer neue Klappstühle müssen aus dem Hinterzimmer geholt werden. Die meisten Zuhörer sind älter als die Autorin. Fatma Aydemir ist 30. Die Buchladenchefin kündigt Aydemirs Debüt als einen "Wahnsinn von einem Roman" an. "Ellbogen" heißt das Buch. Die Moderatorin warnt, die Protagonistin des Buches sei nicht das Alter Ego der Autorin. Die Annahme, dies sei vielleicht autobiografischer Stoff, liegt nahe, hat hier doch eine junge Frau mit Migrationshintergrund ein Buch über eine junge Frau mit Migrationshintergrund geschrieben. Aber Annahmen können falsch sein.

Als Fatma Aydemir zu lesen beginnt, hört man den weichen Singsang ihrer süddeutschen Heimatstadt. Sie kommt aus Karlsruhe. Die Heldin ihres Romans stammt aus dem Wedding, weit weg von Karlsruhe, weit weg auch von Prenzlauer Berg, selbst wenn man mit dem Rad in fünf Minuten dort wäre. Fatma Aydemir erzählt, sie habe den Wedding von früheren Berlin-Besuchen gekannt, Verwandte lebten dort.

Gegen die Wand

Hazal, die Hauptfigur des Romans, ist fast 18, sie absolviert einen Berufsvorbereitungskurs, hat 60 Bewerbungen geschrieben, aber ohne Erfolg. Dabei will sie nur Verkäuferin werden. Nebenbei jobbt sie in der Bäckerei eines Onkels und fragt sich, ob sie ihr Leben jetzt schon für verpfuscht halten soll. Und sie hat eine…

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31.03.2017