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Wirtschaft

Hauptsache Kohle

Das katholische Hilfswerk Misereor kritisiert am Beispiel Südafrika die deutsche Wirtschaftspolitik

Therina Groenewald / shutterstock.com
von
Tobias Schwab
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Wirtschaft

Jeden Tag ist die Luft hier voll mit Rauch, man kann die Kohle förmlich riechen, und es gibt Tage, da fällt das Atmen schwer", sagt Francis Manamela, Gemeindesprecher aus Marapong, einer Township der Stadt Lephalale, im Norden von Südafrika gelegen. Dabei waren alle voller Hoffnung, als der staatliche Energieversorger Eskom Anfang der 1980er-Jahre das Kohlekraftwerk Matimba in Betrieb nahm und versprach, der schwarzen Bevölkerung Zugang zu Energie zu verschaffen. "Wir waren glücklich, als es hieß: Ihr bekommt Jobs, Häuser und ein lebenswertes Leben", erinnert sich Marapong-Bewohner Andreas Mocheko. "Doch heute stecken wir in einer Lage, von der wir nicht einmal geträumt hätten. Landwirte gehen, weil Land und Luft verschmutzt sind, und es gibt kaum Arbeit."

Das Leben in der Umgebung von Lephalale droht nun noch hoffnungsloser zu werden - und das mit deutscher Beteiligung. Denn mindestens 19 hiesige Unternehmen sind in Südafrika am Bau von zwei neuen Kohlekraftwerken beteiligt. Die staatseigene KfW Ipex-Bank ist als Financier mit im Boot, der Bund hat Exportkreditgarantien für die Projekte vergeben, die nach Ansicht des katholischen Entwicklungshilfswerkes Misereor die Menschenrechte auf sauberes Wasser, Gesundheit und Nahrung "erheblich gefährden".

Von allen beteiligten deutschen Firmen erkenne keine ihre Verantwortung für die menschenrechtlichen Folgen von Bau und Betrieb der Kraftwerke an, heißt es in der Misereor-Studie "Wo nur die Kohle zählt". Die…

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11.04.2016