Lesezeit 7 Min
Kultur

Harte Landung

Paula Müller ist eine Vollblut-Zeichnerin, fremdelt aber mit dem etablierten Kunstbetrieb. Ihr Trotz hat Folgen

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Ingeborg Ruthe
Lesezeit 7 Min
Kultur

Der dystopische Mythos vom erst himmelhoch geschossenen, dann hart gelandeten Künstler ist auch heutzutage nicht bloß dramatischer Roman- oder Filmstoff. Der immer gierigere, innovationssüchtigere und daher unsichere globale Kunstmarkt macht daraus oft genug verächtliche Realität. Ihr müssen sich Heerscharen von Kreativen nach ihrer Zeit an den Kunstakademien und auch noch später stellen.

In einem kleinen Raum in einer preiswerten Ateliergemeinschaft im Neuköllner Rixdorf sind die Wände mit großen und kleinen Farbzeichnungen bepinnt. Zeichnen, sagt Paula Müller, sei für sie eine andere Art von Sprache. Auf dem größten Blatt in der Mitte sind Notationen und poetische Gleichungen zu entdecken, mal abstrakt lineare, dann wieder fast organische Formen.

In eine codierte Bildwelt wird der Blick hineingesogen, zu rätselhaften, mit strengen, widerständigen oder aber spielerisch schwingenden Linien beschriebenen Phänomenen aus der realen wie der inneren Welt der Zeichnerin. Als Handlungen jedenfalls lassen sich Paula Müllers Kompositionen, in die sie dann auch mit quellenden Ölfarben hineinmalt, nicht erzählen. Eher sind es Transformationen von Erlebtem, Geschautem, Gehörtem. Andere Blätter weisen ins Comic-artige. Und noch andere bilden ganze Serien konstruktivistischer Experimente, stabil bis fragil, mit geometrischen Formen, die aber ins Geheimnisvolle, fast Surreale gleiten.

Eine andere Art von Sprache

Zeichnen, das…

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02.08.2016