Lesezeit 8 Min
Kultur

Hallo, ich bin’s

Elegant ist sie, melancholisch, damenhaft. Aber auch rustikal, unverstellt und brachial-witzig. Adele singt in Berlin und verzaubert mit ihren Hits im Retro-Sound und ihrer Selbstironie.

Anton_Ivanov / Shutterstock.com
von
Carmen Böker
Lesezeit 8 Min
Kultur

BERLIN. Um zehn Minuten nach acht schlägt Adele die Augen auf, so pünktlich geht es sonst in dieser Kategorie von Konzert selten los, auf Rihanna oder Madonna darf auch gern mal eine Stunde gewartet werden. Bis dahin ist nur der charakteristische dicke schwarze, an der Außenseite wie ein Vogelflügel geschwungene Lidstrich rechts und links als großflächige Leinwandprojektion in der Mercedes-Benz-Arena zu sehen. Nun blickt das Berliner Publikum ihr per Video ins Gesicht, als sie ihr berühmtes erstes Wort singt: "Hello", mit dieser Stimme, in der Rauch und Rotwein mitzuschwingen scheinen, in der das wohlig weiche Volumen immer von jenem kleinen klugen Kratzen flankiert wird, das den schmusigen Wohlklang dieser Altstimme erst unverwechselbar macht, ihr Tiefe und die lebensweise Melancholie einer altgedienten Soul-Diva verleiht.

"Hallo, ich bin's", mit diesen Worten eröffnet die allerdings gerade erst 28-jährige Sängerin ihr Stück. Und dazu beginnen Tausende von Smartphone-Displays zu leuchten und aufzuzeichnen - die kühle, moderne Version des Feuerzeug-Flackerns, die allerdings trotzdem, und das in einem so nüchternen Zweckbau, heimelige Gefühle beim Zuschauer hervorruft.

Mit welchem Titel auch sonst sollte Adele am Samstag den Abend beginnen, einen von zweien in Berlin, auf einer globusumspannenden Tournee mit mehr als hundert Shows, die meisten davon binnen Minuten ausverkauft, die Tickets auf dem Schwarzmarkt für bis zu tausend Euro gehandelt?

Jetzt weiterlesen für 0,45 €
09.05.2016