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Kultur

„Geschichte wird gemacht – und zwar von uns selbst“

Der Schriftsteller und Publizist Navid Kermani über Demokratie und Kommunalpolitik, über Trump und Putin und sein neues Buch, in dem er auf die Ära Kohl zurückblickt

von manfred.sause@volloeko.de (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
von
Joachim Frank
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Kultur

Das literarische Werk des Deutsch-Iraners Navid Kermani kreist um menschliche Grenzerfahrungen angesichts des Todes, um Musik, um Sexualität. In seinem neuen Roman "Sozusagen Paris" geht es Dinge wie die Liebe und das Altern. Doch Kermani wäre nicht Kermani, wenn nicht auch seine politischen Einstellungen Eingang in das Buch gefunden hätten.

Herr Kermani, Ihr neuer Roman "Sozusagen Paris" ist ein einziges Vexier- und Versteckspiel um die eigene Person. Es ist, als legten Sie es geradezu darauf an, dass Ihr Leser die verbotene Frage stellt: Wie viel Kermani ist in der Figur der Ich-Erzählers, der so erkennbar Ihre Züge hat?

Natürlich verwische ich bewusst die Grenzen zwischen dem, was wirklich ist, was wirklich sein könnte, was nun wirklich nicht stimmen kann. In unserer Wirklichkeitserfahrung geschieht das doch ständig, nehmen Sie nur die Träume, die uns oft realer vorkommen als der Alltag nach dem Aufstehen, denken Sie nur daran, wie oft wir neben uns stehen und uns fragen, was wir da eigentlich tun. In der Literatur, die mich interessiert, aber auch in vielen Filmen oder gerade heute häufig im Theater wird die Grenze zwischen Fiktion und Realität nicht zementiert, sondern eher im Gegenteil als gar nicht so bedeutend behandelt. Aber klar ist auch: Um den Eindruck einer Unmittelbarkeit zu erzeugen, kann ein Autor nicht unmittelbar schreiben, er sieht seine Figuren und alles Geschriebene zugleich von außen, allein schon, weil…

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24.09.2016