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Gesellschaft

Gekocht wird nicht

In ganz Deutschland werden zurzeit Hunderte oder gar Tausende Turnhallen zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Das Beispiel einer Grundschule in Bayern zeigt, dass es nicht immer unproblematisch ist, wenn deutscher Alltag auf nahöstliches Elend trifft

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von
Bernhard Honnigfort
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Gesellschaft

AMBERG. "Ach Gott", seufzt der Herr Bigelmayr vom Landratsamt. Man könne doch nicht erwarten, dass bei uns alles so weitergehe wie bisher. Man sei in einer "welthistorischen humanitären Notsituation", sagt er – und das mit weichen bayrischen Akzent, der das Wort "welthistorisch" noch etwas bedeutsamer erklingen lässt. Und nun, so der Herr Bigelmayr weiter, erlebe man halt Einschränkungen, und ja, so wie es aussehe, werde man noch mehr Einschränkungen erleben demnächst, auch im eigenen Landkreis, in Neu-Ulm. Sein Chef, der CSU-Landrat Thorsten Freudenberger, der tue wirklich genug, deswegen sei die Kritik an ihm auch völlig überzogen. Denn Kaninchen aus dem Hut zaubern, das könne er auch nicht, der Herr Landrat.

Soll er auch gar nicht. Oder doch? In seinem Landkreis im schwäbischen Teil Bayerns haben ein paar Vereine nun erstmals öffentlich Alarm geschlagen, weil Turnhallen von Flüchtlingen belegt sind und der Sportbetrieb ausfällt oder zumindest leidet. "Die Leute drohen mit Austritt", schimpft Manfred Janssen vom TSV Neu-Ulm, weil die Leichtathleten, die American Footballer und die jungen Fußballer nun nicht mehr trainieren können wie bisher. Sein Sportverein ist betroffen, außerdem der TSV Pfuhl, der FC Burlafingen, der TSF Ludwigsfeld. Andere Vereine sollen ihre Hallen für die Sportler aus Neu-Ulm öffnen, fordert TSV-Präsident Janssen. Aber im zuständigen Landratsamt, da passiere wenig bis nichts, schimpft er, was wiederum den Herrn Bigelmayr im Landratsamt…

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28.09.2015