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Politik

Forsch gegen den Wind

Wie reagieren die Vertreter des angeblich so "versifften links-rot-grünen 68er-Deutschlands" auf die Attacken der AfD? Wie fühlen sich die, auf die der Hass der rechten Alternativen zielt? Claudia Roth zum Beispiel, die grüne Politikerin, oder Claus Leggewie, der Politik-Professor? Zwei Begegnungen

BERLINER ZEITUNG / MARKUS WÄCHTER
von
Holger Schmale
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Politik

BERLIN/ESSEN. Claudia Roth sitzt am Schreibtisch und ruft durch die geöffnete Vorzimmertür: "Ich bin gleich so weit." Dann ist sie auch schon da, strahlend führt sie den Besucher in ihr Büro. Bodentiefe Fenster bieten einen spektakulären Blick auf das Reichstagsgebäude. Nur der Friedrich-Ebert-Platz liegt zwischen dem Parlament und diesem Flügel des Jakob-Kaiser-Hauses. Hier residieren die Vizepräsidenten des Bundestags.

Und da steht sie, die Vertreterin des "versifften links-rot-grünen 68er-Deutschlands". So hat der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen die Bundesrepublik auf dem Parteitag der rechten Alternativen im Frühjahr genannt und dieser Geisteshaltung unter frenetischem Beifall den Krieg erklärt. Aber gemeint sind immer auch Personen. Die Politikerin Claudia Roth zum Beispiel und der Wissenschaftler und Publizist Claus Leggewie. Sie gehören zu jenen, die seit vielen Jahren den gesellschaftspolitischen Fortschritt in der Bundesrepublik vorantreiben, begleiten, verkörpern. Sie stehen für dieses Deutschland, das die anderen so hassen.

Meuthen hat mit seiner im Gossenjargon vorgetragenen Attacke, von deren Erfolg der rhetorisch nicht sehr begabte Wirtschaftsprofessor selber überrascht schien, das Feindbild seiner Partei und ihrer Anhänger geschärft. Das war, als habe er einen Stöpsel aus der Flasche gezogen. Plötzlich schien es vorstellbar, dass die seit Jahrzehnten währende Hegemonie der Linksliberalen über die gesellschaftliche Debatte in Deutschland zu…

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14.07.2016