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Politik

Flügelschläge

Machtspiele und ein Hauch von Verrat: Die AfD trifft sich in Hannover und tut sich schwer bei der Wahl ihrer neuen Spitze. Dabei wird deutlich, wie gespalten die Partei ist. Und dass sie sich weiter nach rechts bewegt

Olaf Kosinsky [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
von
Kordula Doerfler
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Politik

Hannover. Der Vorsitzende beschwört die Einheit, da müssen auch große Gefühle sein. Jörg Meuthen erinnert sich an einen historischen Augenblick, jenen "hochemotionalen Moment" vor etwas mehr als vier Wochen, als er oben auf der Besuchertribüne im Reichstag stand und beobachten durfte, wie die 92 Abgeordneten der Alternative für Deutschland bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags zum ersten Mal den Plenarsaal betreten. "In solchen Momenten weiß man, wofür man das alles auf sich nimmt", sagt Jörg Meuthen. Dabei stand er damals erst einmal recht einsam oben auf der Tribüne und herrschte die Saaldiener an, weil sie nicht wussten, wer er ist. Das beschreibt seine Situation ganz gut.

Die AfD ist an diesem Wochenende nach Hannover gekommen, um zwei Tage lang zu konferieren und vor allem einen neuen Vorstand und eine neue Spitze zu wählen. Meuthen, der Wirtschaftsprofessor aus Baden-Württemberg, führt die Partei allein, seit Frauke Petry sie nach der Bundestagswahl mit großer Geste verlassen hat. Der zweite Platz an der Spitze, den die Statuten vorschreiben, ist also frei, und es ist vor diesem Parteitag viel spekuliert worden, dass es zu einem erneuten erbitterten Flügel- und Machtkampf kommt. Denn es gilt ja gerade für die AfD, dass Personalfragen Machtfragen sind, auch wenn sie so gerne auf die "Altparteien" schimpft.

In der Hochsicherheitszone

Meuthen, der erneut antreten will, gibt sich alle Mühe, an diesem…

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04.12.2017