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Gesellschaft

„Es gibt eine klare Grenze“

Der Präsident des Zentralrats der Juden beklagt zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und fordert einen Regierungsbeauftragten

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Kordula Doerfler
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Gesellschaft

Josef Schuster äußert sich in seiner Funktion als oberster Repräsentant der Juden in Deutschland häufig zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen. Wir trafen den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland im Leo-Baeck-Haus in Berlin. Im Gespräch ist der 63-Jährige nachdenklich und hochkonzentriert, es geht um jüdisches Leben in Deutschland, um alten und neuen Antisemitismus und das Erstarken der AfD.

Herr Schuster, wie entwickelt sich das jüdische Leben in Deutschland?

Es entwickelt sich positiv. Nach der großen Zuwanderungswelle in den 90er-Jahren sind wir in einer Phase der Konsolidierung und auch der Normalisierung. Dazu gehört, dass die jüdischen Gemeinden viel stärker präsent sind im öffentlichen Leben, es gibt auch wieder mehrere jüdische Gymnasien. Das zeigt ganz klar, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder selbstverständlicher wird.

Über jüdisches Leben lässt sich leider nicht sprechen, ohne über Antisemitismus zu sprechen. Studien zufolge ist der Antisemitismus wieder stärker in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?

Antisemitismus artikuliert sich auf jeden Fall wieder deutlicher in der Mitte der Gesellschaft. Man getraut sich heute viel stärker, das zu sagen, was man schon immer gedacht hat, sich aber eben nicht getraut hat zu sagen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die neuen sozialen Medien. Es ist sehr einfach…

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12.01.2018