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Gesellschaft

Entwurzelt

Einst waren sie geniale Jäger und Sammler. Heute sind die Pygmäen, die im zentralafrikanischen Dreiländereck leben, ein verlorenes Volk. Weil die Wälder, ihre Jagdgründe, zu Nationalparks geworden sind und der Schutz seltener Elefanten und Gorillas über den Schutz der Menschen gestellt wurde

Public Domain via Wikimedia Commons
von
Johannes Dieterich
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Gesellschaft

BABONGO. Bevor die Pirsch beginnen kann, müssen die bösen Geister vertrieben werden. Daran glauben die untersetzten Menschen, die auf einer kleinen Lichtung mitten im Urwald einen Kreis gebildet haben, seit Urzeiten. Die Gruppe umringt einen Baumstamm, an dem sie zuvor Blätter eines Dschungelriesen befestigt hat. Auf diese schlagen die Jäger nun mit Zweigen ein . Sie lachen dabei, als ob sie die Geister nicht nur mit Schlägen, sondern auch mit ihrem Gespött vertreiben müssten.

Als das Ritual beendet ist, spannen ein paar junge Burschen Netze aus Lianen-Fasern um ein besonders dicht bewachsenes Dschungelareal. "Ouaho, ouaho", schreien die Männer, "ijeii, ijeii", kreischen die Frauen. Wenn alles mit rechten Dingen zuginge, würde sich die Falle jetzt mit aufgescheuchten Tieren - kleinen Waldantilopen, Buschschweinen oder Mangusten - füllen. Doch hier im Dschungel der Zentralafrikanischen Republik geht nichts mehr mit rechten Dingen zu. Das Netz bleibt leer. Beim ersten, zweiten und beim dritten Anlauf.

Wenn der Waldgeist verschwindet

Für die misslungene Jagd sei wohl der Tod eines Jungen aus dem Dorf verantwortlich, meint der grauhaarige Bernard Welela, ein Angehöriger des Pygmäenvolks der BaAka. Der Junge sei kürzlich im Fluss ertrunken, nachdem er das Schmerzmittel Tramadol zu sich genommen hatte, das in den Dörfern der BaAka als billiges Rauschmittel grassiert.

Die Geister eines verunglückten Menschen könnten eine…

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08.05.2017