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Gesellschaft

„Einfach mal in ein jüdisches Café setzen“

Es muss kein Museumsbesuch sein, jüdisches Leben findet man heute wieder überall in der Stadt. Hermann Simon freut sich darüber

Astrid Lenz /shutterstock.com
von
Julia Haak
und
Marcus Weingärtner
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Gesellschaft

Hermann Simon hat 27 Jahre lang das Centrum Judaicum geleitet. Seit Anfang September ist er im Ruhestand. Trotzdem hat er immer noch einen Schreibtisch in der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße. Er ist allerdings schwer zu finden. Der Weg führt an Bücherregalen entlang in den hinteren Teil der Bibliothek. Dort treffen wir ihn zum Gespräch.

Herr Simon, wie geht man als Jude durch die Stadt?

So wie jeder andere auch.

Ist das eine blöde Frage?

Die Frage ist nicht blöd. Wenn ich am Freitagabend in der Synagoge bin, gehe ich da bewusst rein. Dann empfinde ich mich auch als Jude, aber sonst denke ich nicht permanent darüber nach.

Leben Sie traditionell?

Nein. Deshalb spielt es auch für mich im Alltag keine Rolle. Wer die Rituale befolgt, legt zum Beispiel Gebetsriemen. Aber ich nicht. Judentum ist eine Privatsache, jeder gestaltet es anders.

Wie prägt sich jüdisches Leben in Berlin aus?

Es gibt mehr jüdisches Leben als vor einem Jahrzehnt. Ich würde das an einer Geschichte festmachen, die mir vor nicht allzu langer Zeit passiert ist. Auf einem Berliner U-Bahnhof stand eine junge Frau und aß ungesäuertes Brot - Mazze.

Woran sieht man das?

Das sieht anders aus, ein bisschen ähnlich wie Knäckebrot. Ich habe sie nicht angesprochen, denn der Grund…

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10.11.2015