Lesezeit 8 Min
Kultur

Ein Zeichen der Hoffnung

Die Erzählungen von "Tausendundeiner Nacht", so erklärt ihre Übersetzerin Claudia Ott, zeigen uns eine andere islamische Welt als die, die wir in unseren Nachrichten sehen. Einen bunten, humorvollen, friedlichen und fröhlichen Orient - verklärte Vergangenheit oder literarische Utopie?

Gustave Boulanger [Public domain], via Wikimedia Commons
von
Arno Widmann
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Kultur

In ihrer kleinen Berliner Wohnung sitzen Claudia Ott und ich einander gegenüber. Am Abend zuvor hatte sie zusammen mit ihrem Lektor im Museum für Islamische Kunst ihre neueste Übersetzung vorgestellt: "Tausendundeine Nacht. Das glückliche Ende" (Verlag C. H. Beck, 428 Seiten, 24,95 Euro). Zum Auftakt des Abends spielte Ott ein paar Minuten Rohrflöte. Sie hat das am Konservatorium ebenso gründlich studiert wie das Arabische an Universitäten in Jerusalem, Tübingen und Berlin. Neben ihrer Arbeit als Übersetzerin leitet sie nach Abschluss einer entsprechenden Ausbildung zwei Chöre. Außerdem hat sie eine Familie mit zwei Kindern. Man könnte ebenso gut ein Gespräch mit ihr darüber führen, wie um Himmelswillen sie das alles schafft. Stattdessen lasse ich mich von ihr in die Geheimnisse von "Tausendundeiner Nacht" und die Kunst der Übersetzung einweihen.

Sie kamen spät zur Musik?

Nein. Ich wollte ursprünglich Flötistin werden. Das hat als Jugendliche nicht geklappt, und ich ging dann nach meinem Schulabschluss erst einmal nach Jerusalem, also gewissermaßen in den Orient, um mich zu orientieren. Mein Geld verdiente ich dort als Musiklehrerin. Unter anderem unterrichtete ich einen fünfjährigen Jungen, den Sohn eines bekannten palästinensischen Liedermachers. Der saß, während ich mich mit seinem nicht sehr begeisterten Sohn - der allerdings inzwischen auch Musiker geworden ist - an der…

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12.03.2016