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Kultur

„Ein Verkaufserfolg sind die verbotenen Filme“

DEFA – Der DDR-Staatsbetrieb war Teil der Erziehungsdiktatur und brachte zugleich Filme hervor, die noch heute bewegen. Ein Gespräch über 70 vergangene Jahre und die Zukunft.

Von Bundesarchiv, Bild 183-76979-0004 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5358337
von
Anke Westphal
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Kultur

Ein lauer Nachmittag in der Chausseestraße. Keinen Steinwurf entfernt von der riesigen BND-Baustelle residiert die DEFA-Stiftung, Hüterin des DDR-Filmerbes. Hier trafen wir Ralf Schenk, Vorstand der Stiftung und Gastautor dieser Zeitung.

Herr Schenk, am 17. Mai wäre die DEFA 70 Jahre alt geworden. Sie existiert schon lange nicht mehr. Gibt es dennoch etwas zu feiern?

Es gibt 12 000 Filme zu feiern! Darunter 750 Spielfilme, davon rund 150 Kinderfilme. Ein reiches Material, das immer wieder befragt werden kann nach seiner Ästhetik und den zeithistorischen Hintergründen. Es gibt eine Menge an Geschichten, Bildern, Tönen, Visionen und Emotionen zu feiern - und nicht zuletzt jene Menschen, die mit dieser DEFA verbunden waren.

Worauf ging denn die DEFA-Gründung ursprünglich zurück?

Zum einen auf die Initiative von Re-Emigranten, die nach 1945 vor allem aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückgekehrt waren und die schon in Moskau darüber nachgedacht hatten, dass man nach dem Krieg eine neue Filmproduktion in Gang setzen müsste, auch um zur antifaschistischen Erziehung beizutragen. Dazu gehörte etwa der Schriftsteller Friedrich Wolf. Außerdem gab es das Interesse der sowjetischen Besatzungsmacht, besonders von Seiten der Kulturoffiziere, die meist hoch gebildet waren und viel von deutscher Kunst wussten. Sie wollten die Kinos wiedereröffnen, aber nicht nur mit Filmen der Alliierten…

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14.05.2016