Lesezeit 8 Min
Kultur

Diese Macht von ein paar Worten in Zeiten der aufreizenden Bilder

Nora Gomringer über den Umgang der Alice-Salomon-Hochschule und der Öffentlichkeit mit ihrem Vater, dem Dichter der „avenidas“

JOACHIM FRANK
von
Joachim Frank
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Kultur

Die Schriftstellerin Nora Gomringer wurde in den vergangen Wochen auch zu einer Aktivistin für das Gedicht "avenidas" ihres Vaters Eugen Gomringer, das von der Hauswand der Alice-Salomon-Hochschule in Marzahn-Hellersdorf entfernt werden soll. Mit der Aktion #avenidaswall ruft sie zur Verbreitung des Gedichts auf: Über ihre Homepage nora-gomringer.de oder den Facebook-Messenger können Interessierte einen Sticker mit dem Text anfordern, um ihn dann an einen Ort ihrer Wahl zu kleben und ein Foto davon an Gomringer zurückzuschicken, das auf einer Instagram-Galerie veröffentlicht wird.

Frau Gomringer, was missfällt Ihnen in der Diskussion über das Gedicht "avenidas" und dessen Entfernung von der Fassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule am meisten?

Dass das Lebenswerk eines gestandenen Autors, der zeitlebens niemals des Sexismus bezichtigt wurde, in so schäbiger Form angegriffen wird. Gottlob steht mein Vater nicht im Verdacht, eine Frau angefallen oder ein Kind missbraucht zu haben. Er ist ein Dichter, der gerade ein Problem hat - mit einem Gedicht an einer Wand in Berlin. Mir passiert es inzwischen, dass Gespräche allen Ernstes mit der Frage beginnen: "Ist Ihr Vater Sexist?"

Und was antworten Sie?

Ich sage: nächste Frage!

Was macht es in diesem Zusammenhang für Sie aus, dass Sie Eugen Gomringers Tochter sind?

Das lässt sich nicht trennen. Ich bin die Tochter…

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12.02.2018