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Die Wurzeln des Essens

Kartoffeln sind aus der deutschen Küche nicht wegzudenken. Ursprünglich stammen sie aber aus Peru. Und nicht nur sie sind weit gereist. Eine Studie zeigt: Zwei Drittel der heutigen Kulturpflanzen stammen anderswo her

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von
Anne Brüning
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Im Jahr 1916 brach Nikolai Iwanowitsch Wawilow zu einer Expedition in den Iran auf. Es war die erste Reise, auf der der russische Botaniker und Genetiker nach den Ursprüngen der Kulturpflanzen suchte. Er war überzeugt, dass es auf der Welt einige wenige Zentren geben müsse, in denen der Mensch einst zum Züchter wurde und wilde Pflanzen zähmte, um sie für seine Ernährung zu nutzen.

Besonders große Vielfalt ursprünglicher Sorten zu finden - also frühe Verwandte von Weizen, Mais und Co. Der Gedanke dahinter: Dort, wo die Pflanzen schon lange wachsen und angepflanzt werden, haben sie sich am stärksten differenziert und viele Varianten hervorgebracht. Dieses genetische Reservoir wollte der Forscher für die Züchtung nutzen. Vielleicht schlummerten in den Zentren der Nahrungspflanzen ja solche, die besonders früh reiften - eine wichtige Eigenschaft beispielsweise für den Anbau in nördlichen Gefilden. Auch hoffte Wawilow auf Varianten, die gegen Pflanzenkrankheiten resistent sind.

Systematisch gingen die ersten Landwirte sicher nicht vor. Sie säten vermutlich einfach weiter die Samen jener Pflanzen aus, die einigermaßen gut wuchsen und Ertrag brachten. Handel und Migration trugen dazu bei, dass diese Zufallszüchtungen die Welt eroberten. Wawilow sah wohl die Chance, die Zeit seit der Erfindung der Landwirtschaft vor 10 000 bis 12 000 Jahren noch einmal ein wenig zurückzudrehen und die Züchtung der Nahrungspflanzen systematischer und breiter anzugehen als damals.

Und so reiste und sammelte der Russe wie besessen. Er unternahm 180 Forschungsreisen in 64 Länder auf fünf Kontinenten…

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19.11.2016