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Gesellschaft

Die Waffe der Kritik statt der Kritik der Waffen

Links oder rechts – Protest gehört zur Demokratie: Eine kurze Geschichte der einschlägigen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland

By Reise Reise [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons
von
Arno Widmann
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Gesellschaft

Der 1. Mai gehört mal zur Protestkultur, und mal ist er Demonstration der Macht der Mächtigen. Dieses Schicksal teilt er mit vielen Institutionen, die mehr als einhundert Jahre hinter sich und sich über den ganzen Erdball verbreitet haben. Und wie andere auch generiert er Parodisten und Trittbrettfahrer.

Während ich diesen Artikel schreibe, bewegt sich in Berlin vom Karl-Marx-Platz zum Hermannplatz die linksradikale Demonstration des "Jugendwiderstands". In der Einladung heißt es: "Der heroische und gerechte Kampf des palästinensischen Volkes arabischer Nation gegen den Zionismus ist ein fester Bestandteil des internationalistischen Kampfs um Befreiung und immer präsent in den Herzen all jener, die wirklich gegen den Imperialismus und Unterdrückung sind."

Im Bleichröderpark in Pankow hält die AfD ein 1.Mai-Fest ab. Drei Gegendemonstrationen haben sich gebildet. Die DGB-Kundgebung am Brandenburger Tor geht ihrem Ende entgegen. Das Kreuzberger Myfest, das 2003 als pazifizierende Maßnahme gegen die alljährliche 1.Mai-Randale eingerichtet wurde, hat gerade begonnen. 5 300 Polizeibeamte haben sich für wohl dennoch in der Nacht stattfindende gewalttätige Auseinandersetzungen gerüstet. Um 18 Uhr wird am Oranienplatz mal wieder eine Revolutionäre 1.Mai-Demonstration beginnen. Parolen: "Flagge zeigen für die soziale Revolution weltweit. Die rebellischen Kommunen von Rojava bis Berlin..."

1968: Revolte statt Revolution

Die Gewalt ist eine…

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02.05.2018