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Geschichte

Die versunkenen Geheimnisse des Osiris

Der Unterwasserarchäologe Franck Goddio präsentiert in Paris Funde seiner Ausgrabung vor der ägyptischen Küste. Er gibt Einblick in eine mythische Welt zwischen Tod und Wiedergeburt

By Suraj at ml.wikipedia [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Günter Marks
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Geschichte

Religion bedeutet mehr, als nur zu glauben oder einer Weltanschauung zu folgen. Sie dient auch ganz konkret organisatorischen Anforderungen des Zusammenlebens und spiegelt damit die Lebenswirklichkeit von Menschen wider. Das war schon im alten Ägypten so. Der Kult um den Gott Osiris zum Beispiel offenbart eine ausgeprägte Verbindung zwischen Mythos, Menschen und deren Umwelt. Einen Einblick in den Kult gibt zurzeit eine Ausstellung in Paris.

Der französische Unterwasserarchäologe Franck Goddio stellt im Institut du Monde Arabe – ein paar Schritte entfernt von der Kathedrale Notre Dame im Zentrum der Stadt – neue Funde aus dem Golf von Abukir an der Mittelmeerküste Ägyptens vor. Die Ausstellung "Osiris. Mystères engloutis d'Égypte" ("Osiris. Versunkene Geheimnisse Ägyptens") zeigt Goddios Forschungsergebnisse der vergangenen sieben Jahre. Seit 1996 unterhält er im Mündungsdelta des Nils Ausgrabungen.

Der Osiris-Mythos gilt als einer der wichtigsten des alten Ägyptens. Er war unlösbar mit einem Totenkult verbunden. Osiris ist der Gott des Jenseits, der Wiedergeburt und des Nils. Seine Wirkung entfaltet sich auch im Kreislauf der Natur, in der sich erneuernden Vegetation und in der Nilflut. Allerdings ist kein Text überliefert, der den Mythos komplett beschreibt. Goddio sagt: "Außer auf Fresken in Tempeln, auf Stelen und in einem kurzen Text des griechischen Historikers Plutarch wusste man fast nichts über den Mythos von Osiris."

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14.11.2015