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Gesellschaft

Die Mission

Die Rapperin Sister Fa und ihre Mitstreiterinnen klären in Berlin Migrantinnen und Migranten über die weibliche Genitalverstümmelung auf. Damit das grausame Ritual irgendwann verschwindet

By Uelef, Ulf Cronenberg (Würzburg) (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

BERLIN. Schon im Treppenhaus duftet es nach Gewürzen, nach Grillfleisch, nach Gebackenem. Afrikanische Musik dringt nach draußen. Ständig klingelt es an der Tür der kleinen Wohnung in Neukölln. Gäste kommen, Gäste gehen. Drinnen wird geredet, getanzt, gegessen. Immer wieder stellt Isatou Barry neue Köstlichkeiten auf den gläsernen Couchtisch im Wohnzimmer: kleine Teigtaschen mit Fischfüllung, Joghurt und Couscous, Reis mit Hühnerfleisch, Lammrücken. Man isst gemeinsam von einer großen Platte.

Isatou Barry hat eingeladen; seit sechs Uhr morgens steht die Gambierin immer wieder in der Küche. Heute soll es an nichts mangeln, heute ist ein Festtag. Vor sieben Tagen hat Isatou Barry, 39, ihr viertes Kind zur Welt gebracht. In Gambia bekommt an diesem siebenten Tag das Baby seinen Namen, so ist es Brauch. Ngenté heißt die Zeremonie, bei der Freunde und Familie zusammenkommen, um die Geburt des Kindes zu feiern. Khalid, das Baby, liegt in eine Decke gewickelt auf dem Sofa und schläft.

Fast ein Wunder

Es ist nicht selbstverständlich, dass es Isatou Barry, rosa Kleid mit weiten Rüschenärmeln, kurz nach der Geburt ihres Kindes so gut geht. Wie viele andere Frauen in Afrika auch ist die Gambierin als Mädchen Opfer einer weiblichen Genitalverstümmelung geworden.

Drei von vier Mädchen in Gambia müssen dieses grausame Martyrium ertragen. Wenn sie nicht daran sterben, leiden sie ihr Leben lang an den Folgen: Blutungen, Narben,…

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19.05.2017