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Politik

Die letzten Tage des John McCain

Im Vietnamkrieg wurde er gefoltert. Er kam zurück und machte Karriere. Doch jetzt wütet ein Tumor in seinem Kopf. Der Altstar der US-Republikaner kämpft den Kampf seinen Lebens – für amerikanische Werte und gegen Donald Trump.

By DoD photo by Helene C. Stikkel. [Public domain], via Wikimedia Commons
von
Karl Doemens
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Politik

Illusionen macht er sich keine - weder über den Zustand seines Landes, noch über seinen eigenen. "Der Eindruck von Härte scheint wichtiger zu sein als jeder unserer Werte", schreibt John McCain in seinem neuen Buch über Donald Trump. Indirekt vergleicht er den US-Präsidenten mit autokratischen Despoten: "Er hat kein Interesse an den moralischen Eigenschaften eines Regierungschefs." Am 22. Mai soll der Memoirenband des Senators erscheinen. "Möglicherweise werde ich dann nicht mehr da sein", schränkt der 81-Jährige lapidar ein: "Meine Lage ist ziemlich unvorhersehbar."

Unvorhersehbar war die Lage auch, als der junge Marineflieger im Einsatz gegen den kommunistischen Vietcong im Oktober 1967 abgeschossen wurde. Die anschließende Gefangenschaft in Hanoi, während derer McCain schwerer Folter ausgesetzt war, begründete in den USA seinen Ruf als aufrechter Patriot und tapferer Kriegsheld.

Ein halbes Jahrhundert später kämpft der Admiralssohn gegen einen heimtückischen Feind in seinem Inneren: Im vergangenen Juli wurde bei ihm ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Der Krebs und die aggressive Chemotherapie machen seinem Körper schwer zu schaffen. An den Sitzungen des Senats, dem er seit 30 Jahren angehört, kann McCain nicht mehr teilnehmen.

Und doch kämpft er politisch den Kampf seines Lebens.

"Ich bin auf alles vorbereitet", hat der Vietnamveteran erklärt: "Ich würde gerne nur noch ein paar Dinge erledigen." Interviews gibt er nicht…

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08.05.2018