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Kultur

Die hohe Kunst des Klatsches

Der frühere Kulturstaatsminister und Verleger Michael Naumann hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben

By Karin Rocholl [Public domain], via Wikimedia Commons
von
Arno Widmann
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Kultur

Wer allergisch ist gegen Eitelkeit, der sollte keine Memoiren lesen. In deren Zentrum steht eine einzige Person: die eigene. Freilich nicht die des Lesers, dagegen hätte der - vorausgesetzt er kommt gut dabei weg - wenig einzuwenden, sondern die des Schreibers. Diese Hürde muss der Leser nehmen. Nicht einmal, sondern immer wieder. Und sich für das interessieren, was in dem Buch sonst noch steht. Oder aber, man macht den entscheidenden Sprung und hört einmal einem anderen zu. Über Stunden. Ohne ihm dazwischen zu reden. Man kann - der Vorteil von Büchern - ihn abstellen, aber man kann ihm nicht widersprechen.

Das ist die Situation des Lesers von Memoiren. Hier geht es um die von Michael Naumann, geboren 1941 in Köthen. Sein Vater, ein Jurist, starb vor Stalingrad. Er war das vierte Kind seiner Eltern. 1953 floh die Mutter mit den Kindern aus der DDR in die Bundesrepublik. Michael Naumann war Journalist, Chef zweier Verlage, Herausgeber, bzw. Chefredakteur von Zeit und Cicero. Er war auch Politiker: Deutschlands erster Kulturstaatsminister, gescheiterter Bürgermeisterkandidat für die Hamburger SPD. Zuletzt war er "Bauherr" als deren Direktor für die Barenboim-Said-Akademie in Berlin, eine Musikhochschule, die jährlich einhundert Studenten aus dem Nahen Osten aufnehmen soll.

Naumann hat, so sagt er, Glück gehabt, und er bringt anderen gerne Glück. Es ist schön, dass er seine Memoiren auch so betitelt. Schrecklich sind die, die meinen, sie hätten nicht…

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17.03.2017