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Kultur

Der Wortkünstler

Nun also doch: Bob Dylan bekommt den Nobelpreis für Literatur. Die Stockholmer Akademie zeichnet damit einen Mann aus, der nicht nur Sänger ist, sondern auch Songschreiber, Filmemacher und Textforscher. Der es mit Pathos sagen kann, aber auch mit ganz einfachen Worten

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von
Harry Nutt
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Es war ein kurzer, lauter Jubelschrei wie bei einem Popkonzert, der wenige Sekunden nach 13 Uhr aufbrandete, als die Stockholmer Akademie den Nobelpreisträger für Literatur bekanntgab. Sein Name und seine Geschichte sind Legende, für die Juroren der Stockholmer Akademie schien er zuletzt aber eher eine anwachsende Belastung zu sein, von der man sich nun befreit hat: Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den Sänger, Songschreiber, Filmemacher und Jahrhundertkünstler Bob Dylan.

Es ist schon einige Jahre her, dass Bob Dylan ernsthaft als Favorit gehandelt worden war. Selbst die britischen Buchmacher, die auch in Fragen zur literarischen Preiswürdigkeit mitunter ein erstaunlich sicheres Gespür haben, betrachteten ihn bei den Vorausberechnungen ihrer Wetten nur noch als Außenseiter. Das Management Bob Dylans, der auch im Alter von 75 Jahren immer noch mehr als hundert Konzerte jährlich spielt, ging routiniert bis gelassen mit dem Gerücht um, das Dylan Jahr für Jahr mit dem Lorbeerkranz aus Stockholm in Verbindung zu bringen versuchte. Mag sein, dass der Nobelpreis Bob Dylan benötigt, ließ man selbstbewusst verlauten. Bob Dylan brauche diesen Preis nicht.

Nun hat er ihn aber doch bekommen. Und es ist eine überraschende und anrührende Wahl, denn ausgezeichnet wird nicht nur ein Wortkünstler, der in den bald 60 Jahren seiner Bühnenpräsenz den Sprachgebrauch mehrerer Generationen beeinflusst, sensibilisiert und oft auch ins arg Vernuschelte überführt…

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14.10.2016