Lesezeit 7 Min
Gesellschaft

In der Wartehalle

Flüchtlinge müssen wochenlang in provisorischen Unterkünften leben. Was machen sie den ganzen Tag?

BERLINER ZEITUNG / GERD ENGELSMANN
von
Julia Haak
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Gesellschaft

Heba Ali Hamad zieht ein Polizeigitter beiseite. "Dies ist mein Haus", sagt sie mit einem Lächeln, an dem sich ablesen lässt, wie absurd sie ihre eigene Formulierung findet und deutet auf den abgesperrten Bereich. Drei mal vier Meter groß. "Mein Schlafzimmer", sagt sie und zeigt auf eine dicke Turnmatte und ein paar Betten, die so dicht zusammenstehen, dass sie eine Schlaffläche für ihre ganze Familie bilden. "Die Küche", sie weist auf Pappkartons mit Lebensmitteln. Dann setzt sie sich auf ein Bett und weint. "Es gibt keinen Platz für mich. Ich wäre besser in meinem Land gestorben", sagt sie. Man muss ein wenig warten, um zu erfahren, was sie meint.

Heba Ali Hamad lebt mit ihrem Ehemann Wail Oudett und den vier Kindern im Alter von zwei bis 14 Jahren in einem Geviert aus zusammengeschobenen Gittern. Wie Tausende Flüchtlinge in Deutschland wohnt die Familie in einer Halle, in der sonst Fußball gespielt und geturnt wird. Es ist die Jahn-Sporthalle am Columbiadamm in Neukölln – eine Notunterkunft für Flüchtlinge. 150 Menschen leben dort auf 800 Quadratmetern Fläche. Man fragt sich, wie das geht.

Schulpflicht für alle Kinder

Morgens um sechs Uhr, wenn in der Halle das Licht angeht, und die meisten gleichzeitig in die Waschräume wollen zum Beispiel. Oder auch zwischen 7.30 Uhr und 9 Uhr, wenn in dem relativ kleinen Aufenthaltsraum Brot und Brötchen zum Frühstücken bereitstehen. Dass es dann drunter und drüber geht, verwundert…

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28.11.2015