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Kultur

Der Neugierige

Chris Dercon ist ein leidenschaftlicher Sammler von Büchern, von Stoffen, von Erfahrungen. Und ein Mann, der das Risiko nicht scheut. Eine Begegnung mit dem künftigen Intendanten der Volksbühne Berlin, der von vielen so kritisch beäugt wird

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER
von
Kerstin Krupp
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Kultur

Chris Dercon ist leicht zu finden. Das Büro des Mannes, der die Geschicke der Volksbühne Berlin bestimmen soll, liegt ebenerdig in einem Ladenlokal - schräg gegenüber vom Theater am Rosa-Luxemburg-Platz mit seiner imposanten Fassade. In den kargen Räumen einer ehemaligen Galerie plant Dercon, der Belgier, mit einem achtköpfigen Vorbereitungsteam seine erste Spielzeit. Im September 2017 beginnt sie.

Die auf Durchblick gestellten Lamellen der Jalousie bieten kaum mehr als einen symbolischen Sichtschutz. Wer will, erhascht im Vorbeigehen einen Blick in den Arbeitsraum des aktuell umstrittensten Menschen in der Berliner Kulturlandschaft.

Gut zwei Jahre ist es her, dass dem Museumsmann aus London eine der renommiertesten Sprechtheaterbühnen der Stadt angetragen wurde. Gleich mit Bekanntwerden des Namens Dercon brach ein kulturpolitischer Streit los, wie ihn Berlin in dieser Heftigkeit seit der Schließung des Schiller-Theaters 1993 nicht mehr erlebt hat.

Dercon leitete Anfang 2015 noch eines der weltweit größten Kunstmuseen, die Tate Gallery of Modern Art in London. Die Fronten waren schnell definiert: Chris Dercon, der global agierende Kulturmanager, stand auf der einen Seite, Frank Castorf, der in Berlin verwurzelte Regisseur, Intendant der Volksbühne seit 1992, auf der anderen. Ein eingängiges Feindbild, eine schlichte Konstruktion.

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31.12.2016