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Kultur

Der Mann, den es nicht gibt

Dem Musiker Bob Dylan zum 75. Geburtstag

Steve Lagreca / Shutterstock.com
von
Frank Junghänel
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Kultur

Wer kennt diesen Mann? Er ist mittelgroß, um nicht zu sagen klein, und von eher schmächtiger Statur. Seine grauen, ausgefransten Locken kräuseln sich gewöhnlich unter einem breitkrempigen Hut hervor. Zuletzt zierte ein sorgsam getrimmtes Oberlippenbärtchen sein Gesicht. Von Zeit zu Zeit verändert der Mann sein Aussehen. So wurde er wiederholt mit einer Glatthaarperücke gesichtet, die er unter einer Wollmütze trug. Bei Auftritten vor Publikum bevorzugt er fein geschneiderte Anzüge, in der Freizeit offenbar Kapuzenpullover. So vielgestaltig wie die Erscheinung des Mannes ist auch sein Name. Die Eltern ließen ihren am 24. Mai 1941 geborenen Sohn im Standesamt von Duluth im US-Bundesstaat Minnesota als Robert Allen Zimmerman registrieren. Als gläubige Juden gaben sie ihm zudem den hebräischen Namen Shabtai Zisel ben Avraham. Seit er erwachsen ist, nennt er sich Bob Dylan. An diesem Dienstag wird der Gesuchte 75 Jahre alt.

Seit einem reichlichen halben Jahrhundert gilt Bob Dylan als eine der einflussreichsten Figuren der Popmusik. Es wurden Unmengen von Büchern über ihn geschrieben, Dissertationen verfasst, Symposien veranstaltet. Jede einzelne seiner Platten, jeder einzelne seiner Songs, jede Zeile, die er je geschrieben hat, wurde analysiert und exegiert. Und doch ist vieles an seinem Leben und Werk ein Rätsel geblieben. Selbst seine Rätselhaftigkeit ist ein Rätsel. So ist der Name Bob Dylan nicht viel mehr als der Sammelbegriff für alle Mythen, die man über ihn…

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24.05.2016