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Politik

Der Ajatollah von Alabama

Neun Frauen beschuldigen den erzreaktionären Ex-Richter Roy Moore der sexuellen Nötigung. Doch der 70-jährige evangelikale Fundamentalist hat trotzdem gute Chancen, Senator zu werden – mit Unterstützung von US-Präsident Trump

bobbycrim / pixabay.com
von
Karl Doemens
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Fairhope. Ohne Navigationsgerät würde man die Oak Hollow Farm im Dunkeln wohl kaum finden. Schnurgerade führt der Highway 98 im Südzipfel Alabamas durchs finstere Niemandsland, bis plötzlich ein unscheinbares Schild auftaucht. Männer mit Taschenlampen dirigieren die Besucher zum Parkplatz auf einer Wiese. Der Geruch von frischem Gras liegt in der schwül-warmen Dezemberluft, aus der Scheune dringt Dixie-Musik. Man könnte sich auf einer Südstaaten-Hochzeit wähnen - würde nicht ein halbes Dutzend TV-Übertragungswagen mit Satellitenschüsseln darauf hindeuten, dass der kleine Küstenort Fairhope heute im Zentrum des medialen Interesses steht.

Brock Wells lässt sich von dem Rummel nicht stören. Gut gelaunt verfolgt der 74-Jährige mit schwarzem Cowboyhut an der Seite seiner Frau Miriam das Geschehen in der Scheune. Die Holzwand hinter der Bühne ist von einer riesigen US-Flagge bedeckt. "Ich bin hier, um meine Unterstützung zu zeigen", sagt er: "Ich will nicht, dass man uns in Washington vorschreibt, wen wir wählen sollen." Auf seiner Brust prangt ein großer Button: "Judge Roy Moore" steht darauf, der Name des pensionierten Skandal-Richters, der am Dienstag zum Senator von Alabama gewählt werden möchte. Während die Band für Stimmung sorgt, fiebern 300 Anhänger dem Auftritt des republikanischen Outlaws entgegen.

Im Bundesstaat Alabama, der gewöhnlich allenfalls wegen seines Football-Teams Crimson Tides überregionale Beachtung findet, tobt ein…

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12.12.2017