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Kultur

Das Tanzhaus und der Kommissar

In Babelsberg entsteht eine neue Kulissenstadt. Sie wird mit der Serie „Babylon Berlin“ eingeweiht und soll das Filmstudio auf Jahrzehnte für internationale Produktionen attraktiv machen

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Thomas Leinkauf
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Kultur

POTSDAM-BABELSBERG. An einem Sonntag im April steht Uli Hanisch in Potsdam-Babelsberg vor einem Glaspalast, der Moka Efti heißt. Das Moka Efti ist ein legendäres Berliner Café- und Tanzhaus aus den Zwanzigerjahren, oder besser: Es war einmal eins. Giovanni Eftimiades, ein griechischstämmiger Kaufmann mit italienischem Pass, gründete das Haus - 2 800 Quadratmeter in einem alten Palais in der Leipziger-, Ecke Friedrichstraße. An manchen Tagen verkaufte das Caféhaus 25 000 Tassen Kaffee, der damals 25 Pfennige kostete. Dann ging es in der Weltwirtschaftskrise pleite, zog um in den Tiergarten, wurde Berlins beliebtestes Tanzhaus. Bis es nichts mehr zu tanzen gab.

Uli Hanisch ist auf das Moka Efti gestoßen, als er den Auftrag erhielt, auf dem Filmstudiogelände in Babelsberg ein Stück altes Berlin wieder auferstehen lassen. Er hat dann gleich noch vier Straßenzüge dazu entworfen, die sogenannte Neue Berliner Straße.

Hanisch, Jahrgang 1967, ist Szenenbildner beim Film. Sein Job ist es, für eine Geschichte und ihre Helden die dazugehörende räumliche Welt zu erfinden. Das hat er schon oft gemacht, für "Das Parfum" beispielsweise oder für "Cloud Atlas". Er hat viel mit dem Regisseur Tom Tykwer zusammengearbeitet und zahlreiche Auszeichnungen erhalten, er gilt als einer der Besten in der Branche. Diesmal war sein Auftrag, die Kulissen für "Babylon Berlin", ein ehrgeiziges deutsches Serienprojekt, zu entwerfen. Aber es ging nicht nur um diese eine Serie. Es ging…

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20.05.2016