Lesezeit 7 Min
Gesellschaft

„Das ist jetzt unser Familienprojekt“

Zwei Rentner aus Steglitz haben zwei junge Flüchtlinge aus dem Irak bei sich aufgenommen. Jeder Tag ist ein Abenteuer

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Julia Haak
Lesezeit 7 Min
Gesellschaft

Abeer Abdulwahhab hat in der vergangenen Woche zum ersten Mal Alkohol getrunken. Es war ihr Geburtstag, sie ist 28 Jahre alt. Zur Feier des Tages gab es Wein. Sie hat das Glas angesetzt und in einem Zug geleert. Dann trank sie drei weitere. Der Geburtstag war schnell zu Ende, weil sie betrunken war. Aber sie findet, das macht nichts. "Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt", sagt sie.

Abeer Abdulwahhab kommt aus Bagdad im Irak. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Nooruldeen Hammod ist sie geflohen. Die beiden sind zwei von Tausenden Flüchtlingen, die seit Anfang August nach Berlin gekommen sind. Noch ist nicht klar, ob sie Asyl bekommen werden. Aber schon jetzt nennen sie Berlin "unsere neue Heimat". An jedem Tag offenbart sich eine weitere Facette in diesem neuen Leben. Deutschland, das ist auch Schweinefleisch essen, Leggins anziehen, ein Passfoto ohne Kopftuch machen, einen Geburtstag feiern.

An einem feuchten Tag in der vergangenen Woche werden die beiden in einem Einfamilienhaus in Steglitz erwartet. Der Kaffee steht seit Stunden bereit. Der kleine Tisch vor dem Kamin ist liebevoll gedeckt. Es gibt Kekse. Um halb fünf, es dämmert schon, klopft es endlich und die beiden jungen Leute stehen auf der Terrasse im Garten.

Endlich den Asylantrag stellen

Abeer Abdulwahhab und Nooruldeen Hammod wohnen jetzt hier. Ein Rentnerpaar aus Steglitz hat sie aufgenommen, einfach so, ohne Geld, ohne Bleiberecht, ohne Perspektive und vor…

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17.10.2015