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Verbrechen

„Das deutsche Gesundheitswesen ist korrupt“

Die Ermittlerin Dina Michels über Bestechung, Manipulation und Abrechnungsbetrug bei den Krankenkassen

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von
Timot Szent-Ivanyi
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Verbrechen

Es ist ernüchternd, mit der Juristin Dina Michels zu sprechen. Sie ist zuständig für die Bekämpfung von Abrechnungsbetrug und Korruption bei der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover (KKH), die als erste bundesweit tätige Kasse eine eigene Abteilung dafür eingerichtet hatte. In ihrem Büro in der KKH-Zentrale in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat ein Geburtstagsgeschenk einen Ehrenplatz: "Für unsere Chefermittlerin" steht auf einer Leinwand, auf der Kollegen ihren Fingerabdruck hinterlassen haben.

Frau Michels, was genau ist der Unterschied zwischen Betrug und Korruption?

Beim Betrug verursachen ein oder mehrere Täter einen Schaden. Bei der Korruption braucht man mindestens zwei Täter: Der eine gibt, der andere nimmt. Einen unmittelbar Geschädigten gibt es nicht. Deshalb spricht man auch von einem opferlosen Delikt, obwohl das genau genommen hier nicht stimmt. Denn am Ende zahlen die Versicherten drauf.

Betrug und Korruption gibt es in allen Lebensbereichen. Was ist das Besondere am Gesundheitswesen?

Die Gesundheitsversorgung ist ein Massengeschäft. Allein bei der KKH laufen pro Monat eine Million Datensätze über verschriebene Arzneimittel ein. Das kann nur noch automatisiert und vergleichsweise grob kontrolliert werden. Im Übrigen sind die Krankenkassen nicht verpflichtet, alles genau zu überprüfen. Vielmehr werden an die sogenannten Leistungserbringer, also Ärzte, Apotheker…

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03.09.2016