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Gesellschaft

Bruce Lee trifft Fatima

Liberalität und Islam - geht das? In Berlin-Moabit versammelt sich einmal im Monat eine muslimische Gemeinschaft, die versucht, beides zu verbinden. Was bedeutet: Alles ist erlaubt. Und auch konservative Ansichten müssen ausgehalten werden

BERLINER ZEITUNG / GERD ENGELSMANN
von
Julia Haak
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Gesellschaft

BERLIN. Nushin Atmaca zieht sich ein langärmliges Hemd über und bindet ein Tuch über ihrem Haar zusammen. Normalerweise trägt sie die Haare offen. Für die Begegnung mit Gott will sie es aber bedecken. Sorgfältig rollt sie vor sich auf dem Boden einen kleinen Gebetsteppich aus. Sie ist bereit. Die Frage ist, ob Deutschland und die deutschen Muslime auch bereit sind für Nushin Atmaca.

Es ist Sonnabend, in diesen Räumen in der Moabiter Wiclefstraße residiert normalerweise eine kleine christliche Gemeinschaft. Nushin Atmaca ist keine Christin, sie ist Muslima. Und sie ist Berlinerin, 1984 in dieser Stadt geboren. Ihre Mutter stammt aus Afghanistan, der Vater aus der Türkei. Aufgewachsen ist sie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Sie hat Abitur und ein Studium in Politik und Islamwissenschaft an der Freien Universität absolviert.

Fünf Männer stellen sich an diesem Tag hinter ihr auf. Nebeneinander, Schulter an Schulter, so wie es im islamischen Gebet vorgesehen ist. Dann erhebt Nushin Atmaca ihre Stimme: "Allahu Akbar." Sie beugt den Oberkörper nach vorn in die Richtung, in der wohl Mekka liegen muss, und die Männer tun es ihr nach.

In der Wiclefstraße ist alles ein bisschen anders, als man es gewohnt ist. In Moscheevereinen geht es normalerweise sehr konservativ zu. Frauen dringen nur ganz langsam in die vordere Reihe vor. Das ist das eine. Das andere ist, dass die deutsche Gesellschaft es muslimischen Männern gar nicht…

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08.06.2017