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Kultur

„Berlin macht dich zehn Jahre jünger“

Der irische Autor Conor Creighton über dreckige Clubs, Touristen-Hass und seine Vorliebe für ostdeutsche Mädchen

BERLINER ZEITUNG / MARKUS WÄCHTER
von
Sabine Rennefanz
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Kultur

Mit den schicken, englisch sprechenden jungen Menschen und ihren aufgemotzten Imbissen, die sich in Neukölln ausbreiten, will Conor Creighton, 35, nichts zu tun haben. Zum Treffen schlägt der irische Schriftsteller, dessen Buch "Strange Love. Oder: Wie ich lernte, die Deutschen zu lieben" dieser Tage erschien, ein unscheinbares Eiscafé an der Sonnenallee vor. "Dort gibt's keine Flat Whites und keine Sojamilch, aber es ist Neukölln pur", schreibt er in einer E-Mail. Er wohnt in der Nähe. Die Kellnerin begrüßt ihn und bringt sofort türkischen Tee, schwarz und bitter. Das Interview führen wir auf Deutsch, manchmal streut Conor Creighton ein englisches Wort ein.

Mister Creighton, es ist fast ein eigenes Genre geworden: englischsprachige Autoren, die über ihr Leben in Deutschland und Berlin schreiben. Wie ist Ihr Buch zustande gekommen?

Ich habe auf einer Lesebühne eine Geschichte über meine Erfahrungen in einer Bremer Nudisten-Kommune vorgelesen. Im Publikum saß eine Agentin, sie hat mich angesprochen und gefragt, ob ich genügend Material für ein Buch habe. Das fand ich toll. Aber ich wollte keinen stereotypen Text schreiben über die Deutschen, meine Erfahrungen sind auch anders als die der meisten Expats. Gerade für Nordamerikaner oder Briten ist Berlin der Ort ihrer Träume. Berlin kann auch die Hölle sein. Ich musste so viele Scheißjobs machen, um zu überleben. In meinem Buch habe ich meine Erlebnisse verarbeitet, vieles ist…

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05.07.2016