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Politik

Bereit zum Straßenkampf

Nach dem Terroranschlag von Ankara hat sich die Lage in den türkischen Kurdengebieten weiter verschärft. Es herrscht die Angst vor Bürgerkrieg

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von
Frank Nordhausen
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Politik

DIYARBAKIR. Als der Trauerzug den Friedhof in der türkischen Kurdenmetropole Diyarbakir erreicht, donnern F-16-Kampfjets am blauen Himmel, unterwegs in die Provinz Hakkari und den Nordirak, um dort Stellungen der Kurdenguerilla PKK zu bombardieren. "Wir begraben unsere Toten, und sie töten unsere Söhne", sagt der Rentner Fahiri Server, der wie all die anderen gekommen ist, um zwei Opfern des Terroranschlags vom Sonnabend in Ankara das letzte Geleit zu geben. Einige der Trauernden tragen Schwarz, ältere Frauen die traditionellen bunten kurdischen Kleider, viele der jungen Leute sind in Jeans und T-Shirts gekommen. Als die mit Fahnen in den kurdischen Farben Rot-Gelb-Grün bedeckten Särge die ausgehobenen Gruben erreichen, skandiert die Menge "Mörder Erdogan" und "Mörderstaat", viele machen mit ihren Händen das Victoryzeichen der kurdischen Freiheitsbewegung.

Fahiri Server, ein schlanker Mann mit weißen Bartstoppeln, hält den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für mitschuldig an dem Terrorakt, dem mindestens 102 Menschen zum Opfer gefallen sind. Als der Imam gesprochen hat, ruft Server gemeinsam mit den Tausenden, was sie wieder und wieder gerufen haben auf ihrem Marsch zum Friedhof: "Märtyrer sterben nie!" und "Der Mörderstaat wird zur Rechenschaft gezogen!" Kurdische Frauen stimmen das schrille Trillern an, mit dem sie der Toten gedenken. Von der Straße her behalten Spezialpolizisten in Schutzwesten, mit Maschinenpistolen im Arm vor gepanzerten Fahrzeugen den…

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14.10.2015