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Geschichte

Auf ewig Lutherstadt

Wittenberg ist das Zentrum der Reformation. Vor 500 Jahren nahm sie dort ihren Anfang. Der Ort in Sachsen-Anhalt profitiert massiv vom Gedenken an Martin Luther - und leidet auch ein wenig darunter

Nikiko / pixabay.com
von
Markus Decker
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Geschichte

LUTHERSTADT WITTENBERG​. Kürzlich standen sie im Hof des Lutherhauses noch einmal zusammen und weihten das Denkmal ein, das an die Tat am 24. September 1983 erinnert. Friedrich Schorlemmer sprach davon, wie wichtig Symbole sind. Dabei betonte der 72-jährige Bürgerrechtler: "Wir verwalten hier nicht die Asche eines Feuers." Denn das Feuer brenne noch. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff von der CDU sagte, die Wende von 1989 sei "nicht in paradiesische Verhältnisse" gemündet. Und doch bleibe sie ein Wunder.

Das Denkmal - eine 3,2 mal zwei Meter große Stahlplastik in Form einer Schablone - verweist darauf, dass Schorlemmer in Wittenberg an jenem September-Abend ein Schwert zu einer Pflugschar umschmieden ließ. Eine mutige Tat. Viele Ostdeutsche trugen das Emblem "Schwerter zu Pflugscharen", um sich auf diese Weise zur DDR-Opposition zu bekennen. Nicht wenige bezahlten den Preis der Verfolgung dafür.

Zwei Tage vor der Denkmalseinweihung sitzt Stefan Rhein in seinem nahe gelegenen Büro. Der Blick aus dem Fenster hinter seinem Rücken gibt einen Blick frei auf die sonnenbeschienene Elbaue. Rhein, lebensfroher Chef der Stiftung Luthergedenkstätten, 59 Jahre alt und vor 19 Jahren aus Bretten in Baden-Württemberg nach Wittenberg gekommen, sagt: "Wittenberg ist auch ein Ort des Widerstandes." Und er meint damit das Jahr 1983 ebenso wie das Jahr 1517.

Es ist nämlich so, dass die Einweihung des Denkmals vor vielleicht 50…

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02.05.2017