Lesezeit 8 Min
Politik

Auf Erkundungstour

Der neue Bundestag übersteht seine erste Sitzung ohne größere Zwischenfälle. Die AfD pöbelt nicht, sondern applaudiert. Die Vertreter der mutmaßlichen Jamaika-Koalition üben das Zusammensein. Und andere müssen lernen, dass in der Politik aus Freunden schnell Gegner werden

FelixMittermeier / pixabay.com
von
Kordula Doerfler
und
Daniela Vates
Lesezeit 8 Min
Politik

Berlin Noch ist der Saal leer, da kommt Angela Merkel. Noch anderthalb Stunden sind es bis zur ersten Sitzung des neuen Bundestags. Noch anderthalb Stunden alte Verhältnisse also. Die Kanzlerin betritt den Plenarsaal und schaut sich um. Ein letzter Check, bevor sie losgeht, diese neue Wahlperiode, in der nichts so sein wird wie in den vorangegangenen. Eine rechtspopulistische Partei im Bundestag, eine Regierung aus vier Parteien, die schon in kleineren Konstellationen ihre Schwierigkeiten miteinander hätten. Angela Merkel wirkt, als wolle sie prüfen, ob wenigstens im Plenarsaal noch alles steht, als besichtige sie die Stätte eines politischen Erdbebens. Es wird, das kann man vorausnehmen, eine Sitzung mit sehr harschen Tönen, in dem es einem ganz unabsichtlich gelingt, die Spannung zu lösen.

Aber erstmal ist ja da nur die Optik. Mehr Sitze sind es als bislang, 709 Abgeordnete, das ist Rekordgröße. Im Plenarsaal sind die hinteren Reihen sind aufgestockt bis kurz vor die Glasscheiben, die den Saal von der Lobby trennen. Zwei von fünf Abgeordneten sind neu. Es gibt drei Landwirte, 20 Lehrer, 115 Juristen und einen Buchhändler, der außerdem mal Kanzlerkandidat war. Die Zahl der Frauen ist drastisch gesunken.

Aber es sind immer noch die gleichen Stühle, Schweizer Design, in diesem speziellen Blau. Auf manchen Plätzen im Plenarsaal liegen bereits bunte Mappen, wie Handtücher auf den Liegen am Hotel-Swimmingpool. Bei einem SPD-…

Jetzt weiterlesen für 0,44 €
25.10.2017