Lesezeit 8 Min
Kultur

Auf dem Teppich bleiben

Von entlegenen Orten, Nahkampfmode und der Frage, was man essen soll zur Modenschau: Beobachtungen auf der Berliner Fashion Week

martinkay / Shutterstock.com
von
Carmen Böker
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Kultur

BERLIN. Dieser Moment, in dem die Plane weggezogen wird vom weißen Laufsteg, ist oft der schönste an der Schau. Weil sich kurz Hunderte von Menschen sammeln, in Vorfreude und gespannter Erwartung. Die Saalordner lassen die vor Schuhspuren schützende Plastikbahn in einer routinierten Choreografie wegschweben vom Boden, kurz wird es stockdunkel. Dann geht es los. Schlaglicht, Musik, das erste Model läuft.

Es ist leider wirklich immer nur ein Moment in jenem Zelt, in dem die Fashion Week stattfindet. Dann sacken die ersten Gäste schon wieder in sich zusammen und daddeln auf dem Smartphone, begucken sich die Prominenten in der ersten Reihe, die in der Regel von jenem Designer ausgestattet wurden, der gerade zeigt. Die Damen zupfen an kurzen Röcken und legen die Unterschenkel beim Beineüberschlagen dekorativ schräg aneinander. Macht einen schlanken Fuß. Die Herren blicken gerne mal starr in die ihnen gegenüberliegenden Sitzreihen. Alle aber beginnen irgendwann zu tuscheln und ihre Folgetermine zu organisieren. Man kann also sagen: Nicht einmal während der Schau erfährt die Mode in Berlin die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

Wer als Erster zeigt, bekommt das besonders zu spüren. Diesmal ist es das Berliner Männer-Label Sopopular, das mit Camouflage-Schminke und militärisch inspiriertem Minimalismus den Catwalk entert, der typischen Uniform also für den Nahkampf auf den Straßen dieser Stadt. Lena Hoschek aus Graz folgt im Lauf des Dienstags, mit einer…

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11.07.2015