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Wirtschaft

„Auch große Konzerne können pleitegehen“

Martin Faulstich, Chef der Umweltweisen, über Lehren aus dem VW-Skandal und die Probleme der großen Versorger mit der Energiewende

BERLINER ZEITUNG / MARKUS WÄCHTER
von
Thorsten Knuf
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Wirtschaft

Eigentlich wirkt Martin Faulstich wie ein Mensch, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Doch wenn der Chef der Umweltweisen auf den VW-Abgas-Skandal angesprochen wird, verdüstern sich seine ansonsten freundlichen Züge, und er wird plötzlich sehr ernst. Volkswagen muss sich jetzt neu erfinden und endlich konsequent auf die Elektromobilität setzen, fordert Faulstich im Interview der Berliner Zeitung. Nach Auffassung des Ingenieurs könnte der gesamte Fahrzeugbestand in Deutschland eines Tages mit Ökostrom angetrieben werden. Neue Kohle- oder gar Atomkraftwerke brauche es für die Energiewende im Verkehrssektor nicht.

Herr Faulstich, der Abgas-Skandal hat den Volkswagen-Konzern ins Wanken gebracht. Wie überrascht waren Sie als Umwelttechniker und Regierungsberater darüber, dass ein Autohersteller weltweit Behörden und Kunden an der Nase herumführt?

Ich persönlich habe mir Manipulationen dieses Ausmaßes nicht vorstellen können. Es war allgemein bekannt, dass bei den Abgaswerten ein Unterschied besteht zwischen den Tests auf dem Prüfstand und dem Fahrbetrieb auf der Straße. Doch hier geht es nicht um die Unzulänglichkeit des genormten Testzyklus. Vielmehr wurden über Jahre hinweg in Millionen von Fahrzeugen heimlich Einrichtungen eingebaut, die ein Reinigungssystem zu- und abschalten. Das ist Betrug, dahinter steckt kriminelle Energie.

Werden sich die Folgen des Skandals auf den VW-Konzern und seine…

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17.10.2015