Lesezeit 11 Min
Verbrechen

Arzbergers Albtraum

An einem Morgen im März findet sich Stefan Arzberger in einem New Yorker Hotelzimmer wieder, in Handschellen, des versuchten Mordes beschuldigt. Seitdem wartet der Leipziger Geiger darauf, beweisen zu können, dass er kein Verbrecher ist, sondern in jener Nacht selbst zum Opfer wurde

Lukas Gojda / shutterstock.com
von
Anja Reich
Lesezeit 11 Min
Verbrechen

NEW YORK. Vor ein paar Wochen hat sich Stefan Arzberger bei „Law & Order“ gesehen. Er hatte lange Haare, trug einen Frack und spielte Flöte. Das Publikum tobte. In der amerikanischen Fernsehserie war Arzberger ein Star. Nach dem Auftritt sieht man ihn an der Bar eines Hotels. Eine Frau setzt sich zu ihm. Er fragt sie, ob er ihr einen Drink bestellen könne. Sie sagt, sie würde lieber mit ihm aufs Zimmer gehen. In der nächsten Szene ist zu sehen, wie sie seine Brieftasche ausräumt und mit der 50 000 Dollar teuren Flöte das Hotel verlässt, er liegt auf dem Bett, reglos. Allerdings muss er später wieder aufgestanden sein. Aufnahmen der Hotelüberwachungskameras zeigen, wie der Flötist nackt über den Flur läuft, an Türen hämmert, mit russischem Akzent irgendetwas ruft.

An dieser Stelle musste Stefan Arzberger den Fernseher ausmachen. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten“, sagt er.

Es ist ein milder Dezembertag vor Weihnachten. Arzberger läuft durch den Central Park in Manhattan, ein groß gewachsener Mann, seine Haare sind kurz, er hat keinen russischen, sondern einen sächsischen Akzent, und sein Instrument ist nicht die Flöte, sondern die Geige, aber wer diese Folge von „Law & Order“ sieht, erkennt sofort, dass die Serienmacher seine Geschichte verwendet haben, seinen Fall. Das Konzert, die Hotelbar, die Prostituierte, der Diebstahl, und ja, auch die Szene auf dem Hotelflur, alles könnte sich so abgespielt haben.

Ein Drink, eine…

Jetzt weiterlesen für 0,48 €
31.12.2015