Lesezeit 7 Min
Politik

Arbeit schützt vor Armut nicht

Die Gehaltsunterschiede steigen. Doch der Stellenwert in den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien zu dem Thema ist sehr unterschiedlich

Charly_7777 / pixabay.com
von
Stefan Sauer
Lesezeit 7 Min
Politik

Im Jahr 2016 erhielt Bill McDermott für seine Vorstandstätigkeit 11,9 Millionen Euro. Damit nahm der SAP-Chef ziemlich genau 321 Mal so viel ein wie der deutsche Normalverdiener. Das mittlere Einkommen eines Beschäftigten in Vollzeit betrug nach Angaben der Bundesregierung rund 37 000 Euro im Jahr. Anders gesagt: An jedem Arbeitstag des Jahres 2016 erfreute sich Herr McDermott einer Vergütung, die dem mittleren Jahreslohn der arbeitenden Bevölkerung entspricht. Solche Zahlen werfen die Frage auf, ob Leistung in Deutschland angemessen - um nicht zu sagen gerecht - vergolten wird. Und sie verweisen auf Entwicklungen, die bereits in den 90er Jahren einsetzten und bis heute anhalten: Die Einkommensunterschiede nehmen zu, die Mittelschicht schrumpft und selbst Arbeit schützt vor Armut oft nicht mehr.

Zahlreiche Untersuchungen belegen diesen Befund. Einer Studie der staatlichen Förderbank KfW zufolge verdienten Haushalte, die vom Einkommen her zum obersten Fünftel zählten, im Jahr 2000 das 3,5-fache des Haushaltseinkommens, das die unteren 20 Prozent zur Verfügung hatten. 2014 war dieser Faktor auf das Fünffache gestiegen. 40 Prozent aller Haushalte mussten in diesem Zeitraum reale Verluste hinnehmen: Ihre Einkommen waren zwischen 2000 und 2014 weniger stark gestiegen als die Inflationsrate. In Euro und Cent, also nicht inflationsbereinigt, stiegen die Haushaltseinkommen des unteren Zehntels im genannten Jahrzehnt um sechs Prozent, die der Gutverdiener am anderen Ende…

Jetzt weiterlesen für 0,44 €
06.09.2017