Lesezeit 17 Min
Politik

Angekommen

Eine Wohnung ist für die meisten Flüchtlinge bisher nur ein Traum. Der Syrer Ibrahim Hamdouli hat es jetzt geschafft - nach 18 Monaten im Heim

BERLINER ZEITUNG / PAULUS PONIZAK
von
Julia Haak
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Politik

Auf dem Klingelschild steht in schwarzen Druckbuchstaben "Hamdouli". Ibrahim Hamdouli steckt den Schlüssel ins Schloss und dreht ihn herum. Die Tür springt auf und der Mann betritt seine neue Wohnung. Als ob das völlig normal wäre. Aber das ist es nicht. Ibrahim Hamdouli kommt aus Aleppo. Er ist ein Flüchtling aus Syrien. Vierzehn Monate hat er im Übergangswohnheim für Flüchtlinge des Internationalen Bundes in Köpenick gewohnt. Über ein Jahr in einem Berliner Containerdorf also, bis er an ein eigenes Klingelschild und einen Hausschlüssel für eine Wohnung in Deutschland gekommen ist: Alfred-Randt-Straße, Köpenick, 10. Stockwerk, fünf Minuten entfernt vom Heim.

Noch immer erreichen jeden Tag Menschen aus Krisengebieten Berlin. Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge hat sich jedoch drastisch verringert. Waren es im vergangenen Jahr in Spitzenzeiten bis zu 1 000 täglich, kommen jetzt weniger als 50 jeden Tag neu in die Stadt. Die ersten zu Notunterkünften umfunktionierten Turnhallen sollen ab Mai geräumt werden. Nicht mehr die Unterbringung bindet mittlerweile die Kräfte der Behörden. Jetzt geht es um die Integration der Menschen in die Gesellschaft.

Ibrahim Hamdouli ist dabei jetzt einen wirklich großen Schritt weitergekommen. Er spaziert durch die Räume seiner Wohnung und wirkt durchaus glücklich dabei. Von seinem neuen Klingelschild hat er schon ein Foto gemacht und es nach Aleppo geschickt, damit seine Frau in Syrien es glaubt: Es geht endlich voran in Deutschland. "Sie hat am Telefon laut Juchuh gebrüllt", sagt Ibrahim Hamdouli.

Man kann sich wahrscheinlich nicht wirklich vorstellen, was es für ein Gefühl ist, nach vierzehn Monaten mit einem anderen Mann in einem winzigen Zimmer plötzlich ganz allein über zwei Räume und ein eigenes Bad zu verfügen. Die Zimmer sind nicht groß, weiß gestrichene Wände, blaues Linoleum auf dem Fußboden, eine einfache Einbauküche im Wohnraum. Aber es gehört alles ihm, er ist ein richtiger Mieter mit Mietvertrag, von einer Wohnung mit dicken Wänden, durch die man nicht die Bewohner im Nachbarzimmer sprechen hört. "Super", sagt Hamdouli nur.

Er ist 31 Jahre alt. In Aleppo hat er als Geografielehrer an einer Schule gearbeitet. Die Schule gibt es nicht mehr. Sie fiel bei einem Bombenangriff genauso in sich…

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29.04.2016