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Verbrechen

Akte Kinderheim

In einer Winternacht 1968 bringt ein Unbekannter in Zehlendorf einen fünfjährigen Jungen und eine Erzieherin um. Nun wird der Fall noch einmal aufgerollt

By Bodo Kubrak (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
von
Katrin Bischoff
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Verbrechen

Morgens, um 3.36 Uhr, informiert die Besatzung eines Funkstreifenwagens die Mordkommission. Die Beamten sind an jenem 22. Februar 1968 vom Hausmeister eines Nachbarhauses in das Kinderheim in der Argentinischen Allee gerufen worden. In dem Haus bietet sich den Polizisten ein furchtbares Bild. In einem Zimmer im Erdgeschoss liegt die Erzieherin Berta F. tot in ihrem Bett, eine Etage höher finden die Beamten den fünfjährigen Peter. Der Junge liegt nackt in einem Doppelstockbett. Er ist, wie Berta F., von einem Unbekannten erstochen worden. Zwei 15-jährige Freundinnen aus dem Nachbarzimmer überleben den Angriff des Täters mit zahlreichen Messerstichen an Armen und Beinen.

Heike Wlodarczyk blättert in den Akten über das Tötungsdelikt. Den Dokumenten sieht man ihr Alter an. Die beidseitig mit Maschine beschriebenen 250 Seiten, die in jedem der fünf abgeheftet Ordnern wurden, sind nach all der Zeit vergilbt und brüchig geworden. Heike Wlodarczyk muss vorsichtig blättern, will sie die Seiten nicht zerreißen.

Die Kriminalhauptkommissarin arbeitet im Kommissariat Sonderermittlungen in der Keithstraße in Schöneberg, das sich mit alten, ungeklärten Tötungsdelikten in der Hauptstadt befasst. Der Mord im Kinderheim im feinen Zehlendorf, der heute kaum noch bekannt ist, ist ihr Fall. Seit zwei Jahren arbeitet sie daran, berät sich mit den Kollegen, sucht neue Ansätze. Die vergilbten Seiten erzählen von dem ältesten ungelösten Tötungsverbrechen, den die sechs Fahnder…

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19.04.2017