Lesezeit 8 Min
Kultur

60 000 Euro für den Star

Und vier Mal im Jahr große Oper. Für solche seltenen Momente hält sich der kleine Inselstaat Malta drei Musiktheater. Fast so wie Berlin. Und doch ganz anders

By Frank Vincentz (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
von
Birgit Walter
Lesezeit 8 Min
Kultur

VALLETTA/VICTORIA. Als der Freund aus New Jersey nach Berlin kommt und unbedingt in die Oper will, weil seine neue Partnerin diese anbetungswürdige Kunstform noch nie live erlebt hat, als ich gleich das Besorgen von Karten verspreche, läuft die Sache auf einen delikaten Moment hinaus: Keines der drei Opernhäuser hatte an den drei Wochentagen eine Oper im Programm. Im Angebot waren ein Kammerkonzert und ein Kindermärchen. Was machen Opernhäuser, wenn sie keine Oper spielen, erkundigt sich arglos die Amerikanerin, vertraut mit profitablen En-suite-Broadwaystücken. Ich denke daran, dass die drei Opern nicht weniger als ein Drittel des Berliner Kulturetats schlucken, und sage: Sie versuchen, sparsam zu wirtschaften. So eine Oper mit festem Ensemble kostet doch so schrecklich viel.

Das fällt mir ein, als eine Reise nach Malta ansteht, dem wie Berlin der Ruf eines Großaufgebots von drei Opern vorauseilt. Die Fläche der Hauptinsel Malta beträgt nur 246 Quadratkilometer, locker täglich zwei Mal mit dem Fahrrad durchquerbar, wenn es außer Unmengen rasender Autos einen Radweg gäbe. 420 000 Menschen wohnen dort, 1,4 Millionen Touristen kommen zu Besuch, aber wer bitte braucht drei Opern? Eine falsche Frage, erklären sie mir auf Malta.

Als ich dann mit dem Versuch scheitere, vorab Tickets online zu buchen, egal, für welche Inszenierung und in welchem Haus, immerhin sollen "La Traviata" und "La Bohème" zur Auswahl stehen, rückt der Berliner Reichtum noch mal in ein…

Jetzt weiterlesen für 0,44 €
27.07.2015