Lesezeit 9 Min
Technik

0 und 1 beherrschen die Welt

Vor 75 Jahren stellte Konrad Zuse in Berlin den ersten funktionsfähigen Digitalrechner vor. Er hieß "Z3" und eröffnete das Zeitalter des Computers, der unser Leben völlig verändert hat. Bei der Verkleinerung der Technik ist noch kein Ende abzusehen

von Dksen (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons
von
Brigitte Röthlein
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Technik

Wie überzeugt muss jemand von seiner Mission sein, um so viel auf sich zu nehmen wie Konrad Zuse? Er setzte Jahre eines vorgezeichneten Berufslebens aufs Spiel, um Zeit und Geld einer äußerst unsicheren Sache zu widmen. Der damals 26-jährige Luftfahrtingenieur kündigte 1936 seine Stelle bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin und konzentrierte sich künftig völlig darauf, im Wohnzimmer seiner Eltern in der Methfesselstraße 7 in Berlin-Kreuzberg eine Rechenmaschine zu bauen. Es sollte etwas ganz Neues werden, das über die bis dahin üblichen manuell bedienbaren Geräte weit hinausging: ein frei programmierbarer, digitaler Rechner. Denn der junge Erfinder glaubte, dass automatische Rechenmaschinen vor allem zur Lösung aerodynamischer Gleichungen dringend nötig seien.

Zwei Jahre lang arbeitete er daran, schnitt Tausende von Metallblechen zurecht und kombinierte sie auf geniale Weise zu einem Rechenwerk. Parallel dazu entwickelte er eine symbolische Notation für die binäre Arithmetik. Aus der Kombination von beidem entstand das, was man den ersten programmierbaren Computer nennen könnte. Zuse gab ihm zunächst den Namen "V1", später jedoch "Z1", um Verwechslungen mit den Raketenwaffen Wernher von Brauns zu vermeiden.

Dieses erste Modell von 1938 war noch vollkommen mechanisch und kam aus Zuses Wohnung nie heraus. Die Rechenvorschriften für den "Z1" ließen sich aber auch zur Steuerung von Relais verwenden. Deshalb begann der Erfinder in seiner zweiten…

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07.05.2016